Die Gefangennahme Adolf Eichmanns am 11. Mai 1960 in Buenos Aires begründete den legendären Ruf des israelischen Auslandsnachrichtendienstes Mossad. Dabei besaß die Jagd nach deutschen Kriegsverbrechern lange keine hohe Priorität. Im Gegenteil war Mossad-Chef Isser Harel lange der Ansicht, dass seine Agenten mit der Aufklärung und Analyse der Fähigkeiten und Pläne der arabischen Nachbarländer mehr als ausgelastet seien.
Als 15 Jahre zuvor der Zweite Weltkrieg endete, stand Eichmann auf den Verhaftungslisten der Alliierten zunächst ebenfalls nicht besonders weit oben. Als Abteilungsleiter im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) war er nur einer beschränkten Öffentlichkeit bekannt. Zwar war Eichmann innerhalb des bürokratischen Apparates eine feste Größe, und auch in den Reihen seiner Opfer hatten viele schon einmal von ihm gehört, doch er war keiner jener ranghohen Nazis, deren Bilder auf den Titelseiten der Zeitungen zu finden waren. Noch Monate nach Kriegsende hatten die Fahnder des amerikanischen Counter Intelligence Corps (CIC) nicht einmal eine Fotografie von ihm, sondern waren auf eine Personenbeschreibung angewiesen, die sie von seinem ehemaligen Mitarbeiter Dieter Wisliceny erhalten hatten. Der war bei den Nürnberger Prozessen ein wichtiger Zeuge der Anklage gewesen. Überhaupt war dort immer wieder dieser eine Name gefallen: Eichmann.





