Obwohl das Imperium Romanum ein „schlanker Staat“ bis zum Exzeß war, wie ihn sich selbst Marktradikale unserer Tage in ihren kühnsten Träumen kaum vorstellen möchten, blieb die Verbrechensrate erstaunlich niedrig. Krause kann natürlich nicht mit harten Zahlen aufwarten, die eine Quantifizierung erlauben. Aber er macht plausibel, wie gleichsam substaatliche Instrumentarien sozialer Kontrolle in der face-to-face-society meist überschaubarer Städte und Dörfer ein Klima der Sicherheit schufen, um das viele moderne Gesellschaften die Römer beneiden würden.
Krauses Buch zeigt aber auch, was uns der moderne Staat wert sein sollte: In einer Gesellschaft, die kein staatliches Gewaltmonopol und eine „Polizei“ nur in denkbar rudimentärster Ausprägung kannte, waren die Bürger bei der Strafverfolgung nur allzu oft auf sich allein gestellt. Immer wieder gerieten die Schwachen unter die Räder, wie bittere Klagen deutlich machen, welche die Betroffenen vor Statthaltern oder dem Kaiser selbst führten. Wer nicht über die Mittel verfügte, sein Recht durchzusetzen, dem half im Zweifel auch die relative Rechtssicherheit wenig, die das Imperium zwischen Atlantik und Euphrat garantierte.
Rezension: Sommer, Michael





