Als Kupferzeit oder Chalkolithikum wird der Zeitraum zwischen der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit im 3. Jahrtausend vor Christus bezeichnet. Kennzeichnend für diese Epoche waren die Nutzung von Kupfererzen, große befestigte Siedlungen im Südosten der Iberischen Halbinsel sowie eine intensivere Nutzung der Umwelt als noch im Neolithikum. Bislang ging man davon aus, dass die zentralspanische Region um Toledo während des Chalkolithikums nur sporadisch besiedelt war: sie liegt eher ungünstig zwischen zwei Gebirgsmassiven am Lauf des Flusses Tajo, der damals schwer zu überqueren war.
Das bis heute erhaltene „Megalithgrab von Azutan“ wies bereits auf Spuren von Menschen im Chalkolithikum hin. Der neue Siedlungsfund liefert nun Hinweise auf eine umfangreiche durchgängige Besiedlung in der Region um Toledo während des 4. und 3. Jahrtausends vor Christus. Zu diesem Schluss gelangte das Forscherteam unter Leitung des Tübinger Archäologen Martin Bartelheim wegen des großen Vorkommens und der Konzentration der Funde. In geomagnetischen Untersuchungen und durch eine gezielte Auswertung von Luftbildern wollen die Wissenschaftler nun Ausmaß und Struktur der Siedlung ermitteln.
Seit den 1980er Jahren rückt die Iberische Halbinsel in der chalkolitischen Periode verstärkt ins Interesse der Forschung. „Dank der neuen Funde bei Azutan wurde die Annahme bestätigt, dass es auch in Zentralspanien eine intensive Kupferverarbeitung und Besiedlung gab. Bisher glaubte man, dass sich dies weitgehend auf die fruchtbaren Küstenregionen im Süden der Iberischen Halbinsel beschränkte“, sagt Felicitas Schmitt, Doktorandin am Sonderforschungsbereich RessourcenKulturen. Im nahegelegenen Aldeanueva de San Bartolomé ist eine weitere, vermutlich sogar befestigte Siedlung vorhanden, die auf ein frühes Kupferverarbeitungszentrum hindeutet.
Neue Werkzeugfunde im Bereich Azutan lassen sich dem Ackerbau und dem Fischfang (Mühlsteine und Netzsenker) zuordnen. Diese Entdeckungen zeigen, dass bereits in der chalkolitischen Gesellschaft eine verstärkte Ausdifferenzierung in verschiedene, komplexe Arbeitsbereiche stattfand, was einen entscheidenden Entwicklungsschritt auf dem Weg zur Herausbildung verschiedener Berufszweige in der kupferzeitlichen Gesellschaft markiert.





