Als nach dem Brand des deutschen Reichstags am 28. Februar 1933 mit der „Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat“ die Grund- und Freiheitsrechte aufgehoben wurden, öffneten sich die Schleusen für die Verfolgung und Terrorisierung der politischen Gegner des Nationalsozialismus. SA- und SS-Schergen verschleppten Angehörige der Arbeiterparteien, Gewerkschafter und Demokraten sowie persönliche Feinde in ihre Wachlokale oder in regionale NSDAP-Hauptquartiere, wo sie häufig brutal gefoltert wurden. Vor allem aber entstand im Zusammenspiel von Länder- und Kommunalbehörden, von Polizeidienststellen und örtlichen NS-Gewaltigen eine Vielzahl von provisorischen Haftstätten, teilweise Konzentrationslager (KZ) genannt. An diesen Orten wurden Gefangene über längere Zeiträume festgehalten und ebenfalls gefoltert. SA- und SS-Wachmänner behandelten gerade jüdische KZ-Insassen besonders brutal. Zeitweise saßenüber 45000 Menschen ein. Einige Häftlinge überlebten ihre Haft nicht.
Die frühen Lager wurden mehrheitlich noch nicht von der SS kontrolliert. Erst nach und nach übernahm diese die noch bestehenden Konzentrationslager im Deutschen Reich. Das am 22. März 1933 errichtete KZ Dachau stand allerdings praktisch von Anfang an unter der Kontrolle Heinrich Himmlers und der SS. Vor allem unter Theodor Eicke, den Himmler im Juni 1933 zum Kommandanten ernannte, entwickelte sich in Dachau eine unbeschränkte Gewaltherrschaft. Die Wachmannschaften wurden aufgefordert, den Häftlingen mit äußerster Brutalität gegenüberzutreten. In einer von ihm verantworteten Dienstvorschrift maßte sich Eicke die Entscheidung über Leben und Tod an: „Versucht ein Gefangener zu entfliehen, dann ist ohne Anruf auf ihn zu schießen. Der Posten, der in Ausübung seiner Pflicht einen fliehenden Gefangenen erschossen hat, geht straffrei aus.“ Seit Mitte 1934 kontrollierte Eicke als Inspekteur alle Konzentrationslager. Dachau wurde zum Modell, an dem sich die anderen auszurichten hatten. Aus den Reihen der frühen Dachauer Wachmannschaften stammten KZ-Führer, die die Konzentrationslager nachhaltig prägen sollten, so Rudolf Höß, von 1940 bis 1943 Kommandant des KZ Auschwitz, oder Martin Weiß, nacheinander Kommandant der KZ Neuengamme, Dachau und Lublin-Majdanek.
Als die ersten Konzentrationslager errichtet wurden, spielten sie ökonomisch eine untergeordnete Rolle. Zwar wurden Gefangene zur Erhaltung und zum Betrieb der Lager herangezogen. Die Arbeiten, zu denen die Häftlinge zwangsverpflichtet wurden, dienten jedoch vornehmlich dazu, deren Widerstand zu brechen. Arbeit war in erster Linie Terror. Im SA-Konzentrationslager Wuppertal-Kema mussten die Insassen schwere Steine aus der vorbeifließenden Wupper bergen, nur um sie kurze Zeit später zurückzutragen. Bis Kriegsende blieb der Arbeitseinsatz immer auch ein Mittel, um die Gefangenen zu terrorisieren. Die SS erkannte jedoch frühzeitig, dass KZ-Gefangene auch produktiv eingesetzt werden konnten. Schon 1933 entstanden in Dachau größere Handwerksbetriebe, in denen Häftlinge für die Bedürfnisse der SS arbeiten mussten. Aus diesen Werkstätten entwickelte sich eine erste SS-Fabrikationsstätte, die „Wirtschaftlichen Betriebe Dachau“. Sie unterstand zwar der KZ-Kommandantur, die fachliche Aufsicht übte aber eine andere Dienststelle aus, das Verwaltungsamt der SS.





