Der Dom im sachsen-anhaltinischen Halberstadt wurde zwischen 1236 und 1486 nach dem Vorbild französischer Kathedralen errichtet. Ähnlich wie bei diesen wird der dreischiffige gotische Kirchenbau durch offene Strebebögen und im Inneren von Kreuzrippengewölben stabilisiert. Anders als bei vielen anderen Kirchenbauten aus dieser Zeit ist die mittelalterliche Ausstattung nahezu vollständig erhalten. Dazu gehört das frühgotische Portal mit der Darstellung des Jüngsten Gerichts, flankiert von Engeln und Evangelisten. Die Fassaden und der Innenraum sind mit zahlreichen Skulpturen geschmückt. Der Halbstädter Dom gilt heute als eines der wenigen noch fast vollständig erhaltenen Zeugnisse eines deutschen Doms der Gotik.

Von Schadstoffen in Mitleidenschaft gezogen
Doch dieser historische Schatz in bedroht: Luftschadstoffe und andere Umwelteinflüsse haben die Steine schwarz verfärbt und sorgen für eine zunehmende Korrosion der Reliefs und Skulpturen. Eine Ursache: Schwefeldioxid, das hauptsächlich bei der Verbrennung schwefelhaltiger Brennstoffe wie Kohle entsteht, setzt Schadensprozesse an Steinmaterialien in Gang. Dies hat auch die farbigen Chorskulpturen aus dem 15. Jahrhundert in Mitleidenschaft gezogen. „Der im Mittelalter als Bestandteil der Farbfassungen verwendete Gips hielt der permanenten klimatisch und mikrobiologisch ungünstigen Umgebung nicht stand“, erklärt die Restauratorin Corinna Grimm-Remus. „Deshalb lösten sich die Farbfassungen ab.“ Zudem wirkten sich schwefeldioxidhaltige Luft und mangelnde Pflege negativ aus.
An den Außenfassaden kommt ein weiterer Aspekt hinzu: „Die zunehmende Feuchtigkeit als eine Folge der Klimakrise verschlimmert den schon bestehenden Schaden durch Schwefeldioxid”, sagt Sybille Weigelt-Röseler von der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt. Denn die Feuchtigkeit löst die vorhandenen schwefel- und stickstoffhaltigen Salze und verursacht dadurch zusätzlichen Bauschaden durch die entstehenden Säuren. „Der sogenannte saure Regen führt zum Beispiel zur schadhaften Umwandlung von Kalk in Gips“, erklärt Weigelt-Röseler. „So geht es vielen Bauwerken in der Region.“
Hilfe durch Lasertechnik und Drohnen
Um die mittelalterlichen Ornamente und Skulpturen am Halberstädter Dom und anderen Kathedralen zu retten, werden Restauratoren nun im Rahmen eines neuen Projekts erstmals systematisch neue Technologien zur Erhaltung und Restaurierung der Kunstwerke und Bauteile erproben. „Wiederherstellen und Erhalten national bedeutender Kulturgüter liegt in unserer Verantwortung“, sagt Alexander Bonde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), die dieses Projekt fördert. „Eine besondere Rolle spielen digitale Methoden, deren Anwendung für die Praxis erleichtert werden muss.“





