Doch in kaum einer anderen Stadt kam es so schlimm wie in Amsterdam: Etwa 80 000 der 140 000 jüdischen Niederländer lebten zum Zeitpunkt der Invasion in der Hauptstadt, und von den 140 000 wurden 102 000 ermordet. Das ist der höchste Anteil aller von den deutschen besetzten westeuropäischen Länder, und die Frage, warum gerade in den Niederlanden nur so wenige Juden überlebten, treibt seit Jahrzehnten die niederländische Geschichtsschreibung um. Da sich Barbara Beuys in ihrem Buch auf persönliche Schilderungen beschränkt, liefert sie selbst nur indirekte Antworten auf diese Frage. Sie verzichtet auf jeden Vergleich mit anderen Ländern oder Städten, sie tritt überhaupt fast ganz hinter den Quellen zurück. So ergibt sich zwar ein vielstimmiges und atmosphärisch dichtes Bild der Besatzungszeit, aber keine Analyse. Am Ende bleibt der Leser tief bewegt, aber auch ein wenig ratlos zurück.
Rezension: Christoph Driessen





