Die Lebenswege der „Königskinder“ der Linie Pfalz-Simmern stehen exemplarisch für adelige Exilerfahrungen infolge des Dreißigjährigen Kriegs. Der Sturz Friedrichs V. und seiner Gemahlin nach dem Böhmischen Aufstand führte zur Isolation der Familie. Noch zu Lebzeiten versuchten sie, im niederländischen Exil die Exklusion aus der europäischen Adelsgesellschaft rückgängig zu machen. Den Verlust der böhmischen Königs- und Pfälzer Kurwürde deuteten sie daher als gottgewollte Notwendigkeit und Prüfung für ihre Kinder. Im 18. Jahrhundert folgten Autoren dieser Deutung. Zudem diente die Geschichte als Lehrbeispiel, um junge Adelige an ihre Familienpflichten zu erinnern.
Dem ältesten Sohn Karl Ludwig gelang es trotz zeitweiliger Gefangenschaft im Dreißigjährigen Krieg, das Haus wieder in der europäischen Fürstengesellschaft zu etablieren. Mit der Schaffung der achten Kurwürde 1648 war ihm eine Regierungslaufbahn beschieden. Rupert machte sich im Englischen Bürgerkrieg verdient und bewegte sich in der Folge in den höchsten englischen Adelskreisen. Daneben machte er sich im Handel einen Namen. Eduard etablierte sich am französischen Hof, indem er ohne Rücksprache mit den Eltern konvertierte und die Katholikin Anne Gonzaga ehelichte, mit der er drei Töchter zeugte und geschickt verheiratete. Er verkehrte in den Kreisen um Anna von Österreich, Kardinal Mazarin und den noch unmündigen Ludwig XIV. und wirkte als pfälzisch-französischer Interessenvermittler.
Louise-Hollandine floh aus den Niederlanden nach Frankreich und konvertierte zum Katholizismus. Mit Eduards Hilfe und Fürsprechern am französischen Hof stieg sie 1664 zur Äbtissin des Zisterzienserinnenklosters Maubuisson auf. Ihre Schwester Sophie wurde durch ihre Ehe mit Ernst August von Braunschweig und Lüneburg Kurfürstin und designierte englische Thronfolgerin. Sie wirkte fernab von Heidelberg an der Umgestaltung der Residenzen in Osnabrück, Hannover, Iburg und Herrenhausen zu Sehnsuchtsorten mit, die ihre Verbundenheit zu ihrer Heidelberger Heimat architektonisch zum Ausdruck brachten.
Rezension: Dr. Marcus Stiebing
Sven Externbrink/Susan Richter (Hrsg.)
Königskinder
Exilerfahrungen und Lebenswege der Pfälzer Wittelsbacher im Europa des 17. Jahrhunderts
Universitätsverlag Winter, Heidelberg 2024, 205 Seiten, € 54,–





