von RONALD D. GERSTE
Das junge Regime nutzte ein junges Medium für seinen unstillbaren Hunger nach Propaganda. Fast umgehend mit dem Erfolg der Oktoberrevolution 1917 waren Kameraleute stets in der Nähe des Diktators, konnten überall in dem riesigen und von epochalen Umwälzungen erschütterten Land die Menschen in den Lichtspielhäusern den Verkünder, den Motor, den Genius der neuen Zeit sehen: Genosse Lenin war medial omnipräsent. Auf der Leinwand sah man ihn bei einer seiner mitreißenden Reden vor fahnentragenden proletarischen Massen (wenn auch noch ohne Ton); bei der Besprechung im Kreml im Kreis führender, in devoter Haltung seinen Anordnungen lauschender Bolschewisten; an seinem Schreibtisch, wichtige Papiere unterzeichnend; mitten unter strahlenden Arbeitern; unter den Soldaten, die gerade die neuesten Siege im Bürgerkrieg gegen die „Weißen“, die „Knechte des Kapitals“ und die „Söldlinge“ ausländischer Mächte errungen hatten. Selbst wenn Lenin seine Katze streichelte, waren die Kameras dabei.





