Die amerikanische Historikerin Natalie Zemon Davis, in vielfacher Weise mit geschlechter-und kulturgeschichtlichen Studien hervorgetreten, hat eine Biographie dieses rätselhaften Mannes geschrieben, die aus zahllosen Puzzlestücken das facettenreiche Bild eines Gelehrten zwischen den Welten entwirft. In Granada um 1486 als Sohn marokkanischer Eltern geboren, zog er mit seiner Familie nach der Reconquista nach Fez und reüssierte dort als Diplomat in den Diensten des Sultans. 1518 nahmen ihn spanische Piraten gefangen und überbrachten ihn Papst Leo X. als Beute. Auf der Engelsburg gefangengesetzt, konvertierte der Muslim 1520 zum Christentum.
Eine „doppelte Perspektive“ war dem Universalgelehrten von nun an eigen, was Zemon Davis in seinen Schriften nachzuweisen sucht. Ihre teilweise allerdings doch recht spekulative Darstellung führt so mitten hinein in den damaligen Kulturkonflikt zwischen Christentum und Islam.
Rezension: Talkenberger, Heike





