Am 18. März 1962, gegen 17.30 Uhr, unterzeichneten die Vertreter der französischen Regierung und der algerischen FLN in Évian-les-Bains am Südufer des Genfer Sees ein Abkommen, welches den blutigen Konflikt in Algerien beenden sollte. Noch am Abend wandte sich Präsident Charles de Gaulle (1890 −1970) an die französische Öffentlichkeit. Er sprach von einer „Lösung der Vernunft“. Diese sei auch der Tatsache zu verdanken, dass die Französische Republik zuvor ihre Institutionen erfolgreich reformiert habe. Der Staatspräsident betonte damit den Zusammenhang zwischen der Entwicklung in Algerien und den politischen Veränderungen in Frankreich, die beide eng mit seiner Person verknüpft waren. Am 3. Juni 1943 hatte de Gaulle in Algier gemeinsam mit seinem langjährigen Konkurrenten General Henri Giraud (1879 − 1949) das „Französische Komitee für die Nationale Befreiung“ ausgerufen, womit die Kolonie sozusagen zum Ausgangspunkt der Befreiung Frankreichs von deutscher Herrschaft − der Libération − wurde.
Bereits bei den Feierlichkeiten zum Kriegsende am 8. Mai 1945 hatte sich jedoch die Zerrissenheit der algerischen Gesellschaft gezeigt, als in Sétif eine Demonstration von mehr als 10 000 Algeriern für die Unabhängigkeit ihres Landes nach einem Polizeieinsatz eskalierte und 28 Franzosen getötet wurden. In den folgenden Tagen wurden landesweit weitere 74 französische Siedler ermordet; die Zahl der arabischen Opfer der französischen Vergeltungsaktionen lag allerdings wesentlich höher: Die Zahlenangaben schwanken zwischen 5000 und 30 000 Personen; die algerische Regierung geht von rund 45 000 Toten aus. …
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