Walahfrid Strabo, Hermann der Lahme, der „St. Galler Klosterplan“ oder das Inselkloster als innovatives Zentrum in einem europaweiten Handschriftentausch – herausragende Persönlichkeiten und kulturelle Höchstleistungen machten die Reichenau zu einem wahren Leuchtturm ihrer Zeit. Klöster gelten ohnehin als Zentren der Kultur und der Politik, die Licht in ein Mittelalter ausstrahlten, das sonst eher als dunkle Epoche wahrgenommen wird.
Wie berechtigt diese Assoziationen sind, haben die vorangegangenen Kapitel gezeigt. Ausbildungen an einer berühmten Klosterschule konnten außerdem attraktive Wege in die höchsten Herrschaftskreise eröffnen: Als rechtlich allein dem König verpflichtetes Kloster unterhielt die Reichenau engste Verbindungen zum Hof. Äbte wie Waldo (786–806), Heito I. (806–823) oder Hatto (888–913) gestalteten als Ratgeber, Erzieher, Diplomaten und Amtsträger die Reichspolitik entscheidend mit. 981 präsentierte sich die Abtei in größter Machtfülle, als sie an der Spitze der Königsklöster 60 Panzerreiter für den Romzug Ottos II. (römisch-deutscher König 961–983, Kaiser seit 967) stellte.





