Geboren zwischen 1818 und 1823 in Irland, wuchs Elizabeth Rosanna Gilbert, die später als Lola Montez bekannt wurde, in Indien und Großbritannien auf. Sie machte sich bald als Tänzerin und Schauspielerin einen Namen, unter anderem in Europa, Amerika und Australien. Mit den Attributen „populär, wenn auch nicht unumstritten“ versehen, erwies Montez sich als faszinierende Exzentrikerin des 19. Jahrhunderts. Die zeitweilige Geliebte des bayerischen Königs Ludwig. I war mehrmals verheiratet, wobei zwei ihrer Ehen jeweils gleichzeitig bestanden. 1849 musste sie daraufhin England fluchtartig verlassen, um einem Bigamie-Strafprozess vor dem obersten Gericht zu entgehen. Im Jahr 1851 gelangte sie schließlich nach New York und arbeitete dort am Broadway als Tänzerin. Hierbei strahlte sie, wie zeitgenössische Quellen verkünden, stets „eine Mischung aus Leidenschaft, Anmut, Verspieltheit und Pathos“ aus.
In ihrem Versuch, die historische Persönlichkeit und gleichzeitig auch die dramatische Selbstdarstellung von Lola Montez wiederzugeben, identifiziert Panzer sich stark mit ihrer Protagonistin. In Panzers Arbeitsweise vermisst man so zum Teil eine wissenschaftliche und kritische Distanz, vor allem da ihre Analyse mit der autobiografischen Selbstdarstellung der Protagonistin oft untrennbar zusammenfließt. Hierbei verfällt Panzer teilweise auch in einen Erzählstil, wie er ebenso der Montez zu Eigen ist. Die Autorin präsentiert dem Leser verschiedene, sich zeitlich widersprechende und verwirrende Schilderungen, etwa über Montez‘ Herkunft und ihr jungen Jahre. Dennoch lässt sich in diesem Erzählstil auch ein wertvolles Element finden: Panzer deutet auf die Schwierigkeiten im Umgang mit historischen „Fakten“ und deren direkter Wiedergabe hin. Sie betont mehrfach, dass auch für Lola Montez Wahrheit allein „nicht wichtig“ war.
Panzers Publikation ist interessant, weil sie sich über die üblichen Charakterisierung Lola Montez‘ als einfache, manipulative und erotische Tänzerin hinwegsetzt; Panzer zeichnet vielmehr das vielschichtige Bild einer komplexen Persönlichkeit. Die theatralische Natur der Montez fungiert hier als ein wichtiges Element der biografischen Rekonstruktion. Und wirkt die Kapitelbetitelung in der Sprache des Theaters zwar teilweise gezwungen, zeigt sie jedoch auch, wie sehr die Autorin sich von der Figur und dem Werk der Künstlerin inspiriert fühlt und dies dem Leser und der Leserin vermitteln möchte.
Rezension: Lea Maria Ferguson





