Anlass genug für Aaron Gebler, sich auf breiter Quellenbasis grundlegend mit der antiken Verwendung des Losens zu befassen. Methodisch überzeugend, fragt Gebler nicht nach der historischen Wahrheit jeder Quellenbeschreibung, sondern danach, ob plausible Praktiken beschrieben werden. Denn auch antike Autoren hatten auf die Glaubwürdigkeit ihrer Texte zu achten.
Wie sich zeigt, war das Los weit verbreitet und konnte in verschiedensten Bereichen genutzt werden: im Militärwesen, in der Religion, bei Landverteilungen, in Wettkämpfen und nicht zuletzt in der Politik. Es war stets nur eine Möglichkeit, Entscheidungen zu treffen, aber eine effiziente und konfliktarme: Beutestücke fair aufzuteilen war quasi unmöglich. Das Los beugte hier durch Entpersonalisierung der Entscheidung Animositäten vor.
Die Bewährung des Losverfahrens in anderen Bereichen machte auch seine politische Nutzung möglich. Bereits bei Homer ist das Los zur Verteilung militärischer Aufgaben nachweisbar. Diese Erfahrung wurde ins Politische übertragen – einmal mehr zeigt sich der enge Zusammenhang von Militärwesen und Politik in der Antike. Göttlicher Wille spielte, außer bei Orakeln, aber keine Rolle. Zugleich war das Los jedoch nicht automatisch demokratisch: Die Gruppe der Auslosbaren musste gleichberechtigt sein. Dies war sie aber auch unter oligarchischen Eliten. Das erklärte bereits Aristoteles – was gern überlesen wird.
Autor: Dr. Philipp Deeg





