Spätestens seit den 2010er Jahren, als das katholische Irland mittels geloster Bürgerräte (und anschließender Volksabstimmungen) Abtreibungen und Ehe für alle legalisierte, genießen Losverfahren große Aufmerksamkeit in Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit. Die Befürworter von Losverfahren berufen sich dabei häufig auf die Verwendung des Losens in der athenischen Demokratie. Außerhalb historischer Fachkreise werden dabei zumeist Texte antiker Philosophen, vor allem des Aristoteles, als Beleg herangezogen, kaum aber andere Quellen wie Texte von Geschichtsschreibern oder gar Inschriften. In den Fachdisziplinen herrscht hingegen oftmals noch das Bild vor, Losverfahren entstammten der religiösen Sphäre und stellten auch in anderen Bereichen göttliche Entscheidungen dar.