Dass Schiller sich überhaupt mit der Sage von Wilhelm Tell beschäftigte, ist einem Gerücht zu verdanken. Eigentlich war es sein Weimarer Freund und Kollege Johann Wolfgang von Goethe gewesen, dessen Interesse an der Geschichte bei einer Reise in die Schweiz geweckt worden war. In seinem Brief an Schiller vom 14. Oktober 1797 schrieb er, dass die Tell-Sage eine wunderbare Grundlage für ein Theaterstück abgeben würde. Schiller antwortete zustimmend: Es sei eine gute Idee von Goethe, sich des Stoffs anzunehmen. Selbst zeigte er kein Interesse an einem solchen Projekt.
In den folgenden Jahren machte in der deutschen Literaturszene immer wieder das Gerücht die Runde, dass man in Weimar an einem Stück über Wilhelm Tell arbeite. Spätestens nach der Veröffentlichung von „Maria Stuart“ (1800) und der „Jungfrau von Orleans“ (1801) war auch allen fachkundigen Beobachtern klar, wer daran arbeitete: Hatte Schiller nicht gerade erst gezeigt, dass er mit historischem Material umzugehen verstand?





