Die Inkastadt Machu Picchu ist eines der bekanntesten und meistbesuchten archäologischen Stätten weltweit. Mehr als eine Million Menschen schauen sich die Ruinen dieser in 2430 Meter Höhe gelegenen Stadt jedes Jahr an. Errichtet wurden die 216 auf steinernen Terrassen liegenden Bauten ab 1450 auf einem Bergsattel zwischen den Gipfeln Machu Picchu und Huayna Picchu. Die von den Inkabaumeistern fugenlos zusammengesetzten Steinblöcke bilden eine Architektur, die sich perfekt in das Terrain des fast unzugänglichen Bergsattels integriert.
Spurensuche in historischen Aufzeichnungen
Doch trotz seiner heutigen Bekanntheit ist nicht ganz klar, wie diese Stadt zu Zeiten der Inka bezeichnet wurde. Unter dem Namen Machu Picchu wurden die Ruinen vor allem durch die Beschreibungen des US-Archäologen Hiram Bingham bekannt, der diese Gegend im Jahr 1911 erkundete. Zu dieser Zeit jedoch waren die Ruinen selbst bei der lokalen Bevölkerung weitgehend in Vergessenheit geraten, wie Donato Amado Gonzales vom peruanischen Kulturministerium und Brian Bauer von University of Illinois in Chicago berichten. Die Einheimischen bezeichneten die Stadt daher einfach nach dem höchsten Berg der Gegend, dem Machu Picchu.
Als Bingham im Jahre 1913 einen ausführlichen Bericht über die Inkastadt im Magazin “National Geographic” veröffentlichte, übernahm er diese Bezeichnung – und Machu Picchu wurde unter diesem Namen berühmt. Gonzales und Bauer wollten es jedoch genauer wissen und haben anhand historischer Quellen untersucht, welche Bezeichnungen sich für die Inkastadt in älteren Aufzeichnungen finden. “Für unsere Studie haben wir drei Datenquellen untersucht”, erklären die Forscher. Dazu gehörten Aufzeichnungen der spanischen Konquistadoren aus dem 17. Jahrhundert, historische Karten aus dem 19. Jahrhundert und die Feldnotizen von Hiram Bingham.
Huayna Picchu statt Machu Picchu
Die Auswertungen der Karten und Aufzeichnungen enthüllten, dass die Inkastadt zur Zeit der spanischen Konquistadoren tatsächlich einen anderen Namen trug als heute. In den Dokumenten aus jener Zeit wird die Inkastadt meist als Huayna Picchu bezeichnet, wie der zuckerhutförmige Berggipfel, der direkt über den Ruinen aufragt. So heißt es in einem dieser Berichte, dass die einheimischen Bewohner damals überlegten, eine von ihnen Huanya Picchu genannte Ruinenstadt wieder zu beziehen, wie Bauer berichtet. Auch in einem Atlas von 1904 werden Inkaruinen namens Huayna Picchu erwähnt.
“Damit gibt es signifikante Belege dafür, dass die Inkastadt ursprünglich Picchu oder wahrscheinlicher Hunyna Picchu genannt wurde”, sagt Bauer. Ihren heutigen Namen Machu Picchu erhielt sie demnach erst Anfang des 20. Jahrhunderts. Durch Hiram Binghams Beschreibungen wurde dieser Name dann allgemein bekannt. Seither ist “Machu Picchu” eine weltweit bekannte “Marke” – und das wird sich wohl auch durch die neuen Erkenntnisse nicht ändern.





