In der Ausstellung „Madness & Modernity“ sind neben Originalbildern und Abbildungen vieler verschiedener Künstler auch therapeutische Ausrüstungsgegenstände zu sehen. Gegliedert in sechs Kapitel, beginnt die Ausstellung mit einer allgemeinen Einführung in das Thema „Wahnsinn“ und beleuchtet unterschiedliche Aspekte des Wahns im Wien des 18. Jahrhunderts. So wurde beispielsweise 1784 unter Kaiser Joseph II. im Wiener Allgemeinen Krankhaus der „Narrenturm“ errichtet, der der besseren Unterbringung „gefährlicher Irrer“ dienen sollte. Im folgenden Kapitel der Ausstellung dreht sich alles um das moderne psychiatrische Krankenhaus. Im Jahr 1907 wurden die „Nieder-Österreichischen Landes-Heil- und Pflegeanstalten für Geistes- und Nervenkranke“ in Wien eröffnet, die ihrer Zeit zu den modernsten und größten Kliniken Europas zählte. Unterschiedliche therapeutische Ansätze, die auch für leichtere Fälle der „Geisteskrankheit“ relevant waren, werden im dritten Kapitel der Ausstellung vorgestellt. Da die wohlhabende Wiener Gesellschaft um 1900 durch das Gefühl bedrückte wurde, in einem „nervösen“ Zeitalter zu leben, verschrieben immer mehr Psychiater Erholungsaufenthalte in Nervenheilanstalten außerhalb der Stadt. Sanatorien bildeten für Großstädter den idealen Rückzugsort zur Entspannung und erlebten einen großen Zulauf. Zur gleichen Zeit entwickelte Sigmund Freud eine alternative Therapieform zur Heilung leichter „Geisteskranker“. Im Gegensatz zur gängigen Lehrmeinung waren für ihn unbewusste und verdrängte Wünsche, Träume und Gedanken Grundlage für eine spezifische Behandlungsweise. Ein Höhepunkt der Ausstellung stellt dabei ein Teppich mit zwei Kissen von Freuds Couch dar. Auch wird ein seltenes Gerät zur Bewegungstherapie gezeigt.
Im vierten Kapitel widmet sich die Ausstellung dem Thema „Kunst und Wahn“ am Beispiel Egon Schieles; der österreichische Expressionist zählt zu den bedeutendsten Künstlern der Wiener Moderne. Auf der Suche nach neuen Darstellungsmöglichkeiten des menschlichen Körpers dienten die Fotografien von „Geisteskranken“ nicht nur der Forschung, sondern auch der Kunst als neues Quellenmaterial. Im fünften Abschnitt präsentieren die Kuratorinnen ihre zentrale These zum Einfluss des „Wahnsinns“ auf die Porträtkunst um 1900. Über Porträts konnten junge Künstler auf sich aufmerksam machen und den Markt auf ihre Arbeiten vorbereiten. So wurden die Darstellungen „Verrückter“ von Künstlern wie Oskar Kokoschka zeitweise bewusst eingesetzt, um eine gewisse Aufregung zu inszenieren. Im letzten Kapitel der Ausstellung sind künstlerische Arbeiten zweier Insassen psychiatrischer Anstalten zu sehen. Im Gegensatz zu den modernen Künstlern blieben die Patienten mit ihrer Kunst in der abgeschlossenen Welt der Anstalt isoliert. Ein Austausch zwischen unterschiedlichen künstlerischen Sichtweisen fand somit nicht statt.





