Die Auswahl von Ölskizzen und Papierarbeiten (56 Ölgemälde, 29 Zeichnungen und Aquarelle) spannt den Bogen über alle Themen und Schaffensphasen des Künstlers. Vor allem die kleinformatigen Freilichtstudien zeigen John Constable als Maler, der die Natur seiner Heimat in packende Seherlebnisse von hohem Abstraktheitsgrad verwandelt. Diese Werke, die zu Lebzeiten des Künstlers als nicht ausstellungswürdig galten, begeistern den Betrachter heute durch ihre Nähe zur Malerei eines Adolph Menzel, Max Liebermann oder Lovis Corinth.
John Constable stammte aus dem Dorf East Bergholt in Südengland. In seiner Heimat Suffolk mit ihren Weiden, Feldwegen, Mühlen, Schleusen und Baumgruppen fand er eine unerschöpfliche Fülle von Motiven. Reisen führten ihn nach Salisbury, dessen Kathedrale er mehrfach dargestellt hat, sowie nach Weymouth und Brighton, wo ihn die Strände und Klippen des Meeres reizten. Constables Interesse für Meteorologie und Optik erlaubte ihm eine unvoreingenommene Betrachtung der Naturphänomene. Eine völlig neue Maltechnik entstand, bei der das Licht regelrecht in die Landschaften hineingemalt wurde. John Constable hat wie kein anderer Maler die Landschaftskunst des 19. Jahrhunderts geprägt: Delacroix nannte ihn “den Vater unserer Landschaftsmalerei”, Corot, Manet sowie die Maler der Schule von Barbizon studierten begeistert seine Werke. Auch für die Malerei der Moderne bleibt Constable ein wichtiger Anreger: 2002 kuratierte der britische Maler Lucian Freud eine Ausstellung in Paris mit Werken seines verehrten britischen Vorgängers.





