Lange Zeit galt die vor rund 13.000 Jahren in Nordamerika verbreitete Clovis-Kultur als früheste menschliche Population auf dem amerikanischen Kontinent. Von den Clovis-Menschen sind an vielen Fundstellen in Nordamerika Steinwerkzeuge typischer Machart und auch fossile Relikte erhalten. Gängiger Theorie nach überquerten die Vorfahren dieser Ureinwohner vor rund 15.000 Jahren die Beringstraße zwischen Asien und Nordamerika. Als dann am Ende der letzten Eiszeit das große Inland-Eisschild über Nordamerika abzutauen begann, konnten diese Menschen durch einen eisfreien Korridor von Alaska aus nach Süden vordringen und sich auf dem Kontinent ausbreiten.
Immer mehr Indizien für eine frühere Ankunft
An diesem Szenario wecken einige neuere Funde allerdings Zweifel. Denn an mehreren Orten in Nord- und Südamerika haben Archäologen inzwischen mögliche Hinweise auf eine menschliche Präsenz entdeckt, die weit älter sind als die Clovis-Kultur. Dazu gehören in Mexiko entdeckte Steinklingen, -spitzen und -abschläge, die schon rund 30.000 Jahre alt sind. In Uruguay wurden ähnlich alte Tierknochen entdeckt, die potenziell menschengemachte Ritzspuren aufweisen. Und im US-Bundesstaat New Mexico stießen Forscher im Jahr 2021 auf 23.000 Jahre alte menschliche Fußspuren – die ältesten Fußabdrücke des amerikanischen Kontinents.
Ebenfalls in New Mexico haben nun Forscher um Timothy Rowe von der University of Texas in Austin weitere Indizien für eine frühe Präsenz des homo sapiens in Amerika entdeckt. Ausgangspunkt war die Entdeckung eines Haufens stark fragmentierter Knochen auf Rowes Grundstück, die sich als Mammutknochen erwiesen. Neben einem eingeschlagenen Schädel fanden sich Dutzende Knochen-Bruchstücke von zwei Wollhaarmammuts. “Es ist keine charismatische Fundstelle mit säuberlich daliegendem Skelett, sondern ziemlich durcheinander”, berichtet Rowe. Die Vielzahl der geschädigten, zerbrochenen Knochen und ihre ungeordnete Verteilung deuteten auf eine nachträgliche Störung der Kadaver hin – möglicherweise durch frühe Menschen.
Mammutknochen mit klaren Bearbeitungsspuren
Um herauszufinden, ob diese Mammuts möglicherweise von frühen Menschen getötet und zerlegt worden waren, analysierten die Wissenschaftler die Funde mithilfe verschiedener Hightech-Methoden, darunter Mikro-Computertomografie, Spektrometrie, Rasterelektronenmikroskopie und chemischen Analysen. Dabei stießen sie bei vielen Knochenfragmenten auf auffällige kreisrunde Löcher, die auf den ersten Blick auf Raubtierzähne zurückgehen könnten – deren Form aber nicht dazu passte: “Raubtier-Bissspuren sind außen am breitesten und verengen sich nach innen bis auf einen Punkt”, erklärt das Team. “Diese Löcher waren aber an der Knochenoberfläche am schmalsten und weiteten sich nach innen.” Solche Spuren seien typisch für ein spitzes Werkzeug, das in den Knochen gebohrt und dann hin und her bewegt werde, um beispielsweise Fett und Mark aus dem Inneren zu extrahieren.





