Um die Ernährung der Bevölkerung sicherzustellen, rationierten die Behörden ab 1916 die Lebensmittel und legten Höchstpreise fest. Trotzdem herrschte Hunger, wie Blum ausführt: „Von 1914 bis 1917 sank das durchschnittliche Körpergewicht der Bevölkerung von 60 auf 49 Kilogramm. Besonders dramatisch entwickelte sich die Lage 1916 und 1917, als Erwachsene im Schnitt mit 1000 Kilokalorien pro Tag auskommen mussten. Das entspricht etwa 50 bis 60 Prozent des täglichen Energiebedarfs. Bei den in den Kriegsjahren geborenen Kindern wirkte sich die Mangelernährung auf das Wachstum aus.
Wie Blum feststellte, gab es dabei deutliche Abweichungen zwischen den Bevölkerungsgruppen: Bei den späteren Erwachsenen der Ober-, Mittel- und Unterschicht betrugen die Größenunterschiede jeweils etwa 1,7 Zentimeter. „Unterschiede gab es bereits vor dem Krieg – doch verstärkten sie sich in den Kriegsjahren”, führt Blum aus. Als Grund nennt Blum den ungleichen Zugang zu Lebensmitteln. „Etwa ein Drittel bis die Hälfte aller Nahrungsmittel wurden illegal auf dem Schwarzmarkt vertrieben – diese konnten sich nur Familien mit hohem Einkommen leisten.“ Damit verfehlte die Regierung ihr Ziel, die Belastungen durch den Krieg gerecht auf alle Bevölkerungsschichten zu verteilen.
Für seine Studie wertete Blum Daten von fast 5000 Soldaten aus dem Zweiten Weltkrieg aus: Für seinen Angriffskrieg mobilisierte das Dritte Reich einen Großteil der jungen Männer und erfasste Informationen zu allen Rekruten: darunter den Wohnort, den Beruf des Vaters, den Gesundheitszustand und die Körpergröße.





