Jörg Fündlings Biographie wird der inneren Problematik des Kaisers, den spätere Generationen zum Idealbild eines Herrschers stilisierten, vollauf gerecht. Behutsam bettet er den Lebensweg in den Hintergrund eines historischen Zeitenwechsels ein – vom jungen Marcus, den noch Hadrian in einem allseits befriedeten Reich zum eigenen Nachnachfolger bestimmte, bis zum körperlich gebrochenen Feldherrn an der Donaugrenze, der sich der tödlichen Gefahr wandernder Stämme gegenübersah, genauer gesagt: einer ersten Welle, die lediglich einen Vorgeschmack auf kommendes Ungemach gab.
Fündling ist nicht nur ein so prägnantes wie differenziertes Porträt des Monarchen im Wartestand und späteren Augustus gelungen, er leuchtet auch subtil die Zeit der Adoptivkaiser aus, die sich dem Leser als Epoche erst allmählichen, dann forcierten Wandels erschließt: Die Barbarengefahr, die Rom jäh aus der Illusion des perfekten Friedens herausriss, Jahre wechselnden Schlachtenglücks, schließlich, als wäre dies alles nicht genug gewesen, eine Seuche, vor der es kein Entrinnen gab – plausibel untermauert Fündling seine These, erst der demographische Aderlass, der vor allem die Reihen der Senatoren dramatisch lichtete, habe den Abschied von der Prinzipatsordnung augusteischer Prägung unumkehrbar gemacht.
Der Band verbindet präzise, quellennahe Analyse mit selten gewordener sprachlicher Eleganz. Er sei allen an der römischen Kaiserzeit Interessierten wärmstens empfohlen!
Rezension: Sommer, Michael





