Beim Kampf um die Macht in Spanien lieferten sich die rechten Putschisten um General Francisco Franco und die Anhänger der demokratisch gewählten Republik erbitterte Kämpfe. In ihrem Verlauf wurden vor allem Gewerkschafter, Geistliche, linke Politiker und andere gegen Franco gerichtete Menschen in Lager gesperrt, verfolgt und systematisch ermordet.
Franquistische Massenhinrichtungen an der Schlucht von Víznar
Einer der Orte solcher Massenhinrichtungen war das von einer tiefen Schlucht geprägte Gebiet zwischen den Orten Alfacar und Víznar nahe Granada. Die Barranco de Víznar (Schlucht von Víznar) umfasst ein rund zehntausend Quadratmeter großes Gebiet, in dem die franquistischen Garden und Freiwillige der Schwarzen Squadron ab Juli 1936 Massenexekutionen durchführten. Schätzungen zufolge ermordeten die Franquisten an diesem Ort tausende Menschen. Meist wurden die Opfer in kleinen Gruppen an den Rand der Schlucht gebracht, dort durch Kopfschuss getötet und in Massengräber in der Schlucht geworfen.
Wegen dieser Massenmorde ist die Schlucht von Víznar heute eine offizielle Gedenkstätte. Im August 2013 wurde beschlossen, in dem Gebiet archäologische Ausgrabungen durchzuführen, um die Massengräber zu finden und die Toten zu identifizieren. Bisher haben die Archäologen unter Leitung von Francisco Carrión Mendez elf potenzielle Gruppengräber entdeckt, in fünf davon wurden menschliche Gebeine zusammen mit Munition gefunden. Im Zentrum des größten bisher identifizierten Massengrabs erinnert ein Steinmonolith an die Opfer der Tötungen. Entlang eines Weges haben Angehörige der Opfer Steine mit Metallplaketten aufgestellt, die die Namen und Lebensumstände der Toten nennen.
Massengrab mit zehn weitern Opfern
Jetzt haben die Archäologen in der Barranco de Víznar drei weitere Massengräber aus dem Spanischen Bürgerkrieg entdeckt. Eines der Gräber wurde inzwischen geöffnet, um die Toten zu untersuchen und zu bergen. In dieser Grube fanden die Forschenden die Gebeine von zehn Personen, deren Hände hinter dem Rücken gefesselt waren und die durch einen Kopfschuss getötet worden waren. Die Toten werden nun vorsichtig exhumiert, um sie im Labor auf ihre Identität hin und weitere Merkmale hin zu untersuchen, wie die Universität von Granada berichtet.
DNA-Vergleiche mit Verwandten und überlebenden Nachkommen von in dieser Region ab 1936 verschwundenen und mutmaßlich Getöteten sollen klären helfen, ob es sich um Angehörige handelt. “Dies wird es ermöglichen, endlich die Opfer zu identifizieren und den Familienmitgliedern die Möglichkeit geben, ihre verstorbenen Angehörigen in würdiger Weise zu bestatten – fast 90 Jahre nach deren Ermordung”, so die Universität. Mit den neuen Funden steigt die Zahl der bereits gefundenen und geborgenen Opfer aus der Schlucht von Víznar auf 124, darunter sind 32 Frauen. Das Archäologenteam plant, in dieser Saison zwei weitere Massengräber zu untersuchen. Außerdem sollen vorbereitende Erkundungsarbeiten in der nahegelegenen Barranco del Carrizal stattfinden – auch dort vermutet man Massengräber des Spanischen Bürgerkriegs.





