Der Vorsitzende des Deutschen Lehrerverbandes Josef Kraus sagte: „Das zeitgeschichtliche Wissen der jungen Generation ist erschreckend dürftig. Es breitet sich mehr und mehr ein zeitgeschichtlicher Analphabetismus aus.“ Rainer Eppelmann erklärte: „Der 50. Jahrestag des Mauerbaus soll ein Anlass sein, dieses einschneidende Ereignis sowie dessen Hintergründe und Konsequenzen zu Beginn des neuen Schuljahrs aufzuarbeiten. Die ältere Generation, die den Mauerbau und die deutsche Teilung noch bewusst erlebt hat, ist aufgerufen, ihre Erlebnisse und Erfahrungen den Jüngeren mitzuteilen.“ Zugleich wendete sich Rainer Eppelmann vehement gegen jede Art von Verklärung der DDR und des Mauerbaus. „Die Geschichte der deutschen Teilung und der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland muss zu einem gesamtdeutschen Thema werden“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bundesstiftung. „Vor allem die nach 1990 geborenen Menschen sollten die historischen Zusammenhänge verstehen lernen. Dazu gehört, dass die SED-Herrschaft sich im August 1961 nur durch Zwang und Gewalt behaupten konnte.“ Josef Kraus betonte: „Die DDR war ein Unrechtssystem, das Tausende von Menschenleben, Zigtausende von politischen Gefangenen und Millionen von Bespitzelungen zu verantworten hat. Das muss allen Schülern im geeinten Deutschland, in Ost und West, bewusst gemacht werden.“ Massive Kritik übt Kraus an der Behandlung des Faches Geschichte in Deutschland: „Der Geschichtsunterricht nimmt in vielen Bundesländern zu wenig Unterrichtszeit ein. Im Vergleich zu den sogenannten Kernfächern und den zweifellos wichtigen MINT-Fächern wird das Fach Geschichte mit durchschnittlich zurzeit nur 1,3 Wochenstunden sträflich vernachlässigt. Das Fach Geschichte muss in den weiterführenden Schularten aller Bundesländer wieder ein eigenständiges, zweistündiges Fach werden.“ Nach Ansicht der Bundesstiftung Aufarbeitung sollte das breite Bildungsangebot zu diesem Thema noch stärker als bisher genutzt werden. Für den Schulunterricht stehen eine Vielzahl von Bildungsangeboten, Ausstellungen, Publikationen und Filmen zur Verfügung. Insbesondere Zeitzeugenarbeit ist ein hervorragendes Instrument, um junge Leute für das Thema zu sensibilisieren. Bundesweit wird so ein besonders lebendiger Unterricht möglich.





