Max Beckmanns (1884–1950) in Amerika entstandenes Spätwerk ist erstmals Thema einer monografischen Sonderausstellung, die unter dem Titel „Beckmann & Amerika“ vom 7. Oktober 2011 bis zum 8. Januar 2012 im Frankfurter Städel Museum gezeigt wird. Mit insgesamt 110 Exponaten, darunter 41 Gemälde sowie zahlreiche Zeichnungen, Aquarelle, Druckgraphiken und Skulpturen, gibt die Schau einen umfassenden Einblick in die faszinierenden letzten Lebens- und Schaffensjahre des bedeutenden Künstlers. Max Beckmann lebte und lehrte ab 1947 in St. Louis und schließlich in New York, wo er 1950 starb. Für den Künstler gingen diese entwicklungsgeschichtlich einschneidenden Jahre in Amerika mit Aufbruch und Weiterentwicklung einher. Mit “Departure” aus dem MoMA, “The Beginning” aus dem Metropolitan Museum of Art in New York sowie den “Argonauten” aus der National Gallery of Art in Washington ist es dem Städel gelungen, allein drei der insgesamt neun vollendeten Triptychen von Max Beckmann nach Frankfurt zu holen. Sie gelten als die Höhepunkte in Beckmanns Œuvre. Für Frankfurt am Main, wo Max Beckmann von 1915 bis 1933 lebte und an der Städelschule arbeitete und lehrte, ist das Ausstellungsprojekt von besonderer Bedeutung: Das Städel kann einen reichen Bestand an Gemälden, Zeichnungen, Druckgraphiken und Skulpturen Beckmanns vorweisen und hat bislang eine Reihe von Ausstellungen zu spezifischen Themen und Abschnitten seines Werks gezeigt.
Die Ausstellung wird maßgeblich vom Kulturfonds Frankfurt RheinMain unterstützt und auf dessen Initiative im Rahmen des Projekts „Phänomen Expressionismus“ realisiert. Das weltweit tätige Finanzdienstleistungsunternehmen BNY Mellon fördert die Ausstellung als Corporate Sponsor und trägt damit dazu bei, dass zahlreiche, selten gesehene Werke Beckmanns in Frankfurt vereint werden können.
Max Beckmann zählt zu den bedeutendsten Künstlern des 20. Jahrhunderts. Der 1884 in Leipzig geborene Maler schuf aus dem Fundus der Zeitgeschichte, der Mythologie und der eigenen Biografie ein Lebenswerk, das zu den herausragendsten schöpferischen ikonografischen Leistungen der modernen Kunst gehört. Sein Leben und Werk ist aufs Engste mit der deutschen Geschichte verbunden. Den Ersten Weltkrieg erlebte Beckmann bis zu seinem psychischen und körperlichen Zusammenbruch als freiwilliger Sanitätssoldat in Flandern. Die Eindrücke des Krieges veränderten seine Malerei grundlegend. Häufig wird die Brutalität des alltäglichen menschlichen Umgangs dargestellt, die Gegenstände seiner Bilder werden expressiv und kantig. Seit 1915 lebte Beckmann in Frankfurt, wo er zehn Jahre später Professor an der Städelschule wurde. Er feierte in diesen Jahren zunehmend größere Erfolge, die in Retrospektiven in Mannheim, Zürich, Basel und Paris gipfelten. Bereits ab Mitte der 1920er-Jahre – auf dem Höhepunkt seiner Karriere in Deutschland – wurde Beckmann, dessen metaphorisch verschlüsselt wirkende Gemälde das Klischee deutscher Malerei schlechthin erfüllten, auch in den USA durch zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen berühmt. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht ergriffen, wurde seine Karriere jäh unterbrochen. Er wurde seiner Professur an der Städelschule in Frankfurt enthoben und emigrierte 1937 nach Amsterdam. Erst nach einem zehn Jahre währenden Exil, das durch den Krieg von Isolation, Angst und Entbehrungen geprägt war, gelang ihm – dank eines von seinem New Yorker Händler Curt Valentin vermittelten Lehrauftrages – die lange ersehnte Ausreise nach Amerika. Als Beckmann schließlich im Spätsommer 1947 in Amerika eintraf, galt er bereits als einer der „most powerful German Expressionists“, so die Charakterisierung im Katalog der Ausstellung „Art in Our Time“, mit der das MoMA 1939 sein zehnjähriges Bestehen gefeiert hatte. Das Leben in der Neuen Welt bot Beckmann ungeahnte Entfaltungsmöglichkeiten. Hierzu trugen vor allem menschliche Begegnungen wie fortschrittliche Institutionen bei. Fern von Europa verbrachte Beckmann somit seinen letzten und überaus produktiven Lebensabschnitt. Der Beckmann-Werkkatalog verzeichnet allein 85 Gemälde, die der Maler in den drei Jahren schuf. Unter den gewählten Themen finden sich auffallend wenige Landschaften, vergleichsweise viele Stillleben, aber auch Bildnisse sowie religiöse und mythologische Sujets.





