Wer vor dickleibigen Folianten eher zurückschreckt, dem sei der Band von José de Villa und Jürgen Neubauer empfohlen. Ihre Biographie ist so spannend geschrieben, daß man die Geschehnisse mitzuerleben meint. Die Schilderung der Zeit Castros und seiner Rebellen in der Sierra Maestra ist atmosphärisch besonders dicht. Die beiden Autoren gehen ausführlich auf die Umstände ein, die Castros Revolution ermöglichten, und werfen einen Blick auf die unrühmliche Rolle, welche die USA damals gespielt haben. Dabei verkennen sie nicht die Schattenseiten ihres Protagonisten und dessen fatale Verwechslung der Revolution mit sich selbst; dennoch hätte man sich an einigen Stellen mehr Distanz gewünscht. Wenn auch die Zahl von 500 Todesurteilen „gegen die Verbrecher des Batista-Regimes“ im Vergleich zu anderen Revolutionen tatsächlich gering erscheinen mag, so geht es doch zu weit, wenn festgestellt wird, daß diese Prozesse „öffentlich und geordnet“ verlaufen seien.
Rezension: Oster, Uwe A.





