Bis vor dem mysteriösen Niedergang vor etwa 1000 Jahren prägte ihre Kultur weite Teile Mittelamerikas: Ruinen monumentaler Siedlungsstrukturen und weitere faszinierende Spuren zeugen von der geheimnisvollen Zivilisation der Maya. Im Fokus der aktuellen Studie stand nun ein besonderer Aspekt ihrer Kultur, der aus zahlreichen archäologischen Funden und Darstellungen bekannt ist: Die Maya veranstalteten Ballwettkämpfe in teils aufwendig konstruierten Anlagen, die sich neben Tempeln und weiteren zentralen Gebäuden ihrer Siedlungen befanden. Bei einer Version mussten die Spieler etwa versuchen, einen Ball durch einen Ring an einer Wand zu befördern.
Man könnte meinen, dass diese „Sportveranstaltungen“ der Unterhaltung dienten. Doch mit Spiel und Spaß hatten sie offenbar wenig zu tun und endeten wohl manchmal sogar mit Menschenopfern. Aus verschiedenen Hinweisen geht hervor, dass die Ballspiele bei den Maya eine wichtige rituell-religiöse Bedeutung besaßen. Darauf verweist etwa eine aus Darstellungen bekannte Geschichte der Maya-Mythologie, in der ein Ballspiel mit göttlicher Beteiligung über Leben und Tod entschied.
Ein dunkler Fleck unter einem Ballspielplatz
Der neue Hinweis auf die Bedeutung der Ballspielplätze stammt nun aus den Überresten der Maya-Stadt Yaxnohcah auf der Halbinsel Yucatán. In einem zentralen Bereich der Siedlung waren Archäologen auf die Überreste einer Anlage gestoßen, die anhand ihrer Merkmale als ein Ballspielplatz identifiziert wurde. Der Datierung zufolge war er vor etwa 2000 Jahren auf älteren Siedlungsstrukturen errichtet worden. Wie die Forschenden um David Lentz von der University of Cincinnati berichten, haben sie bei genaueren Untersuchungen der Anlage nun eine besondere Entdeckung gemacht: Direkt unter dem vorderen Teil des Spielfeldes stießen sie auf eine auffallend dunkle Ablagerung. Es war zu vermuten, dass es sich um die Spuren von vergänglichen Materialien gehandelt hat, die dort vor dem Bau deponiert worden waren.
Um nun zu klären, was die Verfärbungen verursacht haben könnte, haben die Forschenden Proben aus der dunklen Bodensubstanz entnommen. Diese wurden dann speziellen genetischen Untersuchungsmethoden unterzogen, um nach möglichen DNA-Überresten des einstigen Materials zu suchen. Dies war erfolgreich und so konnten die Forschenden die gewonnenen Erbgutspuren sequenzieren und mit Informationen aus Referenzdatenbanken vergleichen. Wie das Team berichtet, ging aus den Analyseergebnissen zunächst grundsätzlich hervor, dass es sich bei dem dunklen Fleck um die Spuren von pflanzlichen Materialien handelt.
DNA-Spuren kulturell bedeutender Pflanzen
Die Sequenzvergleiche lieferten dann auch Detailinformationen über die Arten. Wie sich zeigte, handelt es sich bei einer der vier identifizierten Gewächse um die Windenart Ipomoea corymbosa. Dem Team zufolge ist sie interessanterweise für halluzinogene Wirkungen bekannt und es gibt Hinweise auf ihren Einsatz bei Wahrsage-Ritualen der Maya. Außerdem fanden die Forschenden die genetischen Spuren der bekannten Medizinpflanze Oxandra lanceolata sowie von einer weiteren, besonders prominenten Pflanze: Chilipfeffer. “Wir denken bei Chili an ein Gewürz, aber für die alten Maya war es viel mehr als das: eine Heilpflanze, die in vielen Zeremonien verwendet wurde”, sagt Lentz.





