Überraschender Fund in Nim Li Punit
Die Ruinenstadt Nim Li Punit im Süden Belizes ist eine kleinere Maya-Stadt, die eher am Rand des Verbreitungsgebiets dieser Kultur lag. Zwar war die Stadt wahrscheinlich schon ab dem Jahr 150 besiedelt, ihre größte Entfaltung erreichte Nim Li Punit aber erst in der späten klassischen Periode ab etwa 600. Bis etwa um 850 lebten hier zwischen 5.000 und 7.000 Menschen, dann jedoch wurde die Stadt relativ plötzlich aufgegeben, wie angefangene Bauten und Stelen belegen.
Geoffrey Braswell von der University of California in San Diego und seine Kollegen führen seit einigen Jahre Ausgrabungen in Nim Li Punit durch – unter anderem in der Ruine eines ehemaligen Palastes. Dabei entdeckten sie ein zwar eingestürztes, aber sonst intaktes und nicht geplündertes Maya-Grab aus der Zeit um das Jahr 800. Das Grab enthielt seltsamerweise keinen Toten, dafür aber 25 Tongefäße, eine Götterfigur aus Stein und einen prachtvollen Jade-Brustschmuck.
Der Fund dieses knapp 20 Zentimeter breiten und zehn Zentimeter langen Anhänger überraschte selbst die Archäologen: “Wir hätten so etwas in einer der großen Städte der Maya-Welt erwartet”, sagt Braswell. “Aber stattdessen haben wir es hier in Nim Li Punit gefunden, weit vom Zentrum des Maya-Reiches entfernt.” Wie die Forscher berichten, ist der Brustschmuck das zweitgrößte Jade-Objekt der Maya, das je in Belize gefunden wurde.
Schmuck des ersten Königs dieser Stadt?
Ungewöhnlich sind auch die Hieroglyphen, die in den Brustschmuck eingraviert sind: Auf der Vorderseite trägt er die Hieroglyphe “ik”, die für Wind oder Atem steht. Auf der Rückseite sind 30 Hieroglyphen eingraviert, die offenbar die Geschichte seines ersten Besitzers erzählen. Bisher ist dieser Text erst in Teilen entziffert, doch aus dem Wenigen geht hervor, dass der Brustschmuck offenbar für den Maya-König Janaab Ohl Kinich angefertigt wurde. Der König trug den Schmuck demnach erstmals im Jahr 672 bei einem Ritual, das für günstiges Wetter sorgen sollte.
Der Brustschmuck aus Nim Li Punit ist damit das erste Objekt dieser Art, das mit einem historisch-erzählenden Text beschriftet ist, wie die Archäologen erklären. “Dadurch spricht er buchstäblich zu uns”, sagt Braswell. Er und seine Kollegen vermuten, dass Janaab Ohl Kinich möglicherweise sogar der erste König von Nim Li Punit gewesen sein könnte. Denn alle bisher bekannten Inschriften und Reliefs aus der Maya-Stadt, die auf einen König hinweisen, stammen aus einer späteren Zeit. Der auf dem Brustschmuck erwähnte König könnte demnach der Gründer einer neuen Königsdynastie gewesen sein, die dann bis zum Ende der Stadt regierte.





