In Europa gibt es zehntausende prähistorische Stein-Monumente. Hinterlassen haben diese gigantischen Bauwerke die Menschen der Megalithkultur, die sich vor rund 6.500 Jahren als Seefahrer entlang der Küsten Westeuropas ausbreiteten und dabei überall ähnliche Heiligtümer und Landmarken errichteten. Zu diesen berühmten Megalith-Bauwerken gehören der Steinkreis von Stonehenge in England sowie die mehr als 3.000 senkrecht aufgestellten Menhire in Carnac in der Bretagne. Diese metergroßen Hinkelsteine sind nahe der Küste am Golf von Morbihan einzeln, in Kreisen und in mehreren bis zu drei Kilometer langen Reihen angeordnet; dazu kommen mehrere Großsteingräber. Wie alt diese Anlagen sind, lässt sich nicht so leicht bestimmen, da eine Radiokarbondatierung nur für organische Überreste möglich ist.

Neue Funde bestätigen: „Älteste Megalithregion Europas“
Auf Umwegen hat ein Forschungsteam um Audrey Blanchard von der Universität Göteborg jetzt trotzdem herausgefunden, wie alt die Megalith-Anlagen in Carnac genau sind. Dafür haben die Archäologen Abdrücke im Boden von tonnenschweren Steinen untersucht, die zu einem bisher unbekannten Teil der Carnac-Konstellation gehören und erst kürzlich entdeckt wurden. Diese Menhire standen einst in Le Plasker nahe der Stadt Plouharnel, wurden aber bereits vor langer Zeit entfernt. Übrig blieben allerdings ihre Fundamentgruben. Blanchard und ihre Kollegen haben diese nun ausgegraben und dabei dutzende Bodenproben aus der Umgebung genommen. Mithilfe von Radiokarbondatierungen ermittelten sie dann, wie alt das umliegende Erdreich und darin gefundene Holzkohlereste sind. Mit Modellierungstechniken schlussfolgerten sie daraus, wann die Menhire dort platziert wurden.
Das Ergebnis: „Durchmesser und Tiefe der Gruben bei Le Plasker sowie die Anordnung der Keilsteine lassen darauf schließen, dass die aufrecht stehenden Steine über drei Meter hoch gewesen sein könnten“, so das Team. Diese Menhire wurden in drei Bauabschnitten zwischen 4600 und 4300 vor Christus errichtet, wie die Datierungen ergaben. Ähnlich alt dürften demnach die noch stehenden Steine in der Nachbarregion Carnac sein. Die Ausgrabungsstätte enthüllte zudem eine prä-megalithische monumentale Grabstätte. Sie bestand aus einem kreisförmigen Erdwall von rund 3,30 Meter Durchmesser, der ein zentrales Steinkistengrab umgab. „Spuren von 46 steinernen Monolithen finden sich im Radius von 20 Metern um den südlichen Teil dieser Grabanlage“, berichten Blanchard und ihre Kollegen. Solche Gräber gelten früheren Studien zufolge als die Anfänge der Megalithkultur.






