John Law (1671–1729), gebürtiger Schotte, Nationalökonom und Glücksspieler, gilt gemeinhin als Erfinder des Papiergeldes. Die Überlieferung ist nicht ganz korrekt: Die ersten Ausgaben des neuen Zahlungsmittels erfolgten Anfang des 17. Jahrhunderts in den Niederlanden.
Doch erst Law schuf das Grundvertrauen der Menschen in das bedruckte Papier, wozu ihm der drohende Bankrott Frankreichs eine historische Gelegenheit bot: Ludwig XIV., der „Sonnenkönig“, hatte nach seinem Tod 1715 einen heillos überschuldeten Staat hinterlassen, der Hof war daher für neue Ideen sehr empfänglich. Law gründete zunächst eine Privatbank, die Banque Générale, die 1720 erstmals eigene Geldscheine emittierte (Bild) und bald danach als Banque Royale verstaatlicht wurde.
Laws Rezept, heute Normalität, war damals geradezu revolutionär, denn es ging über den Tauschhandel, Geld gegen Ware, weit hinaus: Das Entscheidende sei, meinte er sinngemäß, dass Geld in die Wirtschaft fließe, damit es Handel und Gewerbe stimuliere. Die Wirtschaft blühte auf, die Steuereinnahmen stiegen, die Staatsschulden sanken. Doch entgegen seiner Warnung kam viel zu viel Papiergeld ohne ausreichende Deckung in Umlauf, nach Schätzungen das Vierfache des Wertes der Edelmetallreserven. Tausende Kunden wollten innerhalb kurzer Zeit ihr Papiergeld wieder in Gold eintauschen, die Banque Royale krachte zusammen.
Nun forcierte Law, mittlerweile Finanzminister in Versailles, das Kredit- und Aktiengeschäft. Stetig steigende Kurse lockten scharenweise Käufer an. Das Papiergeld gewann wieder an Vertrauen, mit dem Aktienboom erlebte Frankreich einmal mehr eine wirtschaftliche Hochblüte. Der absolute Renner waren Aktien der Handelsgesellschaft Mississippi Compagnie, die der Glücksspieler Law nach Gerüchten über Goldvorkommen im Kolonialstaat Louisiana gegründet hatte. Doch das El Dorado war eine Illusion, eine riesige Spekulationsblase platzte. Der bislang geradezu vergötterte Finanzmagier, der selbst ein Vermögen verlor, war jetzt der meistgehasste Mann Frankreichs, das er nach Morddrohungen Ende 1720 fluchtartig verließ. Er starb neun Jahre später in Venedig.
Erst nach der Französischen Revolution und der Gründung der neuen Zentralbank (Banque de France) im Jahr 1800, die den Zahlungsverkehr strenger regelte, galt Papiergeld als allgemein anerkanntes, stabiles Zahlungsmittel.





