Wie fanden sich die Frauen im Jahrzehnt nach 1945 angesichts der an sie gestellten Erwartungen und Herausforderungen zurecht? Was ging zwischen Überlebenskampf, Aufbruchstimmung und Ernüchterung in ihrem Innersten vor? Die Historikerin Miriam Gebhardt hat diesen Fragen ein Buch gewidmet. Zu den Quellen, die sie ausgewertet hat, zählen vor allem Selbstzeugnisse wie Tagebücher und Briefe.
Das Buch hinterfragt viele der bis heute bestehenden Klischees und macht deutlich, dass eine Heroisierung der Frauen allein der Realität nicht gerecht wird. Die Quellen zeigen, dass die Übernahme neuer Verantwortung oft nicht aus emanzipierter Überzeugung erfolgte, sondern aus bitterster Not. Viele Frauen wurden von den Umständen dazu gezwungen, neue Rollen einzunehmen, und fühlten sich dabei oft überfordert.
Zugleich wird deutlich, dass sich die Situationen von Frauen nach Kriegsende je nach Alter, Region und sozialer Lage teils erheblich voneinander unterschieden. Dementsprechend erlebten Frauen die Zeit ganz unterschiedlich. Manche waren (oft unfreiwillige) Heldinnen, andere überzeugte Nazis, die auch nach 1945 ihren Überzeugungen treu blieben. Einige erlebten sexualisierte Gewalt durch die Besatzer, von der sie sich nie erholten. Viele fielen nach der Rückkehr ihrer Männer in alte Rollenmuster zurück, anderen aber gelang es, neue Wege einzuschlagen. Dies mögen auf den ersten Blick banale Erkenntnisse sein. Aber diese verschiedenen Frauen in all ihren Facetten zu Wort kommen zu lassen hilft dabei, ein vielschichtigeres Bild der Nachkriegszeit zu erhalten.





