Ab Beginn des 17. Jahrhunderts herrschte in Japan eine strikt feudale Ordnung: Das Land wurde von einem vom Kaiser ernannten Shogun regiert, diesem unterstellt waren die Fürsten (Daimyos) und diesen die adelige Kriegerkaste der Samurai. Diese Adeligen besaßen zahlreiche Privilegien, mussten aber auch einem strengen Codex gehorchen. Nichtadelige wie Bauern, Handwerker oder Händler machten zwar 90 Prozent der Bevölkerung aus, hatten aber so gut wie keine Rechte. Ihnen war es verboten, eigenmächtig den Ort oder Beruf zu wechseln oder Angehörige einer anderen Klasse zu heiraten. Japan verfolgte in dieser Zeit des Tokugawa-Shogunats zudem eine strenge Politik der Isolation: Kontakt oder Handel mit westlichen Ländern wurde unterbunden.
Mit der Meiji-Restauration kam der Wandel
Doch all dies änderte sich Mitte des 19. Jahrhunderts: Auf Drängen der USA öffnete sich Japan stärker dem Westen und ließ ab 1859 auch Handel mit westlichen Ländern und Handelsgesellschaften zu. Als Folge dieser Öffnung kam es zu Protesten und zum Aufstand der Daimyos und Samurai, die einen Verlust ihrer Macht und Privilegien fürchteten. 1868 kam es zum Bürgerkrieg, bei dem das Tokugawa Shogunat entmachtet und die feudale Ordnung außer Kraft gesetzt wurde. Unter Leitung des Kaisers wurde eine neue Regierung gebildet, unter der die Privilegien der Daimyos und Samurai abgeschafft, eine erste Verfassung beschlossen und ein Bildungssystem nach westlichen Vorbild initiiert wurde.
Dieser als Meiji-Restauration bezeichnete Wechsel der politischen und gesellschaftlichen Struktur leitete einen tiefgreifenden Wandel in Japan ein. Zum ersten Mal erhielt nun auch die einfache Bevölkerung die Freiheit, Wohnort, Beruf und Partner frei zu wählen, außerdem bekamen sie nun erstmals Zugang zu einer geregelten Bildung. “Die Meiji-Restauration war die erste Zeit, in der Menschen selbst ihre Zukunft wählen konnten, unabhängig von der Umwelt, in die sie hineingeboren worden waren”, erläutern Tomoko Matsumoto und Tetsuji Okazaki von der Universität Tokio.
Soziale Mobilität und Meritokratie
Doch was bedeutet dies für die soziale Mobilität in dieser Phase des Wandels? “Nachdem nun die Gleichheit aller Japaner und die Freiheit der Berufswahl eingeführt worden war – brachte dies auch mehr soziale Mobilität?”, so die Wissenschaftler. Aus der Geschichte anderer Staaten sind viele solcher Transitionen bekannt, in denen sich trotz tiefgreifenden Wandels im politischen System die Eliten nicht änderten. “Eine solche Kontinuität der Eliten gab es beispielsweise bei der sozialistischen Revolution in China im Jahr 1949”, erklären Matsumoto und Okazaki. Auch beim Übergang Polens und Ungarns von einem sozialistischen Staat zu einer Marktwirtschaft in den 1980er Jahren waren es primär die alten kommunistischen Eliten, die von der Privatisierung der Wirtschaft profitierten.





