Am frühen Abend des 12. April 1945 wurde US-Vizepräsident Harry S. Truman ins Weiße Haus gerufen. Er wunderte sich etwas, hatte sich Präsident Franklin D. Roosevelt nach der Reise zur Konferenz von Jalta doch in sein Ferienhaus in Georgia zurückgezogen. Statt des Präsidenten empfing ihn die First Lady. Eleanor Roosevelt eröffnete ihm: Ihr Mann, der die Vereinigten Staaten aus der Depression und durch den Zweiten Weltkrieg geführt hatte, war tot – und Truman neuer Präsident.
Als Spätberufener war Truman erst im Alter von 38 Jahren in die Lokalpolitik seines Heimatstaats Missouri eingestiegen. 1934 spülte ihn dann ein demokratischer Erdrutschsieg bei den Midterms in den Senat. Doch als ihn die Parteispitze 1944 als Nachfolger für den unpopulären Vizepräsidenten Henry Wallace vorschlug, war dies selbst für Insider eine Überraschung. Truman nahm das Angebot nur widerwillig an. Er fühlte sich eher in den Hinterzimmern des Kapitols wohl. Das Rampenlicht der Öffentlichkeit scheute er hingegen. Tatsächlich änderte sich für ihn als Vizepräsident aber wenig. Präsident Roosevelt bezog ihn kaum ein, an den wirklich wichtigen Meetings nahm er gar nicht teil. Bis zum 12. April 1945.





