Dennoch überstand der als Sohn italienischer Einwanderer in Saloniki geborene Venezia das Vernichtungslager. Mehr als 60 Jahre nach Kriegsende ließ er seine Erinnerungen aufzeichnen, sie liegen nun auch auf Deutsch vor. Zwei Aufsätze über die Shoa (Marcello Pezzetti) und das Verhältnis Italiens zu Griechenland (Umberto Gentiloni) liefern historische Hintergrundinformationen; Zeichnungen von Venezias Leidensgenossen David Olere illustrieren das Buch.
In einfacher und zugleich eindringlicher Sprache lässt Venezia sein Leben Revue passieren: Wie er mit seiner Familie in Saloniki lebte, von Athen nach Auschwitz deportiert wurde, die Details der Arbeit im Sonderkommando, den Versuch eines Aufstands dort, schließlich den Todesmarsch nach Mauthausen und die mörderische Zwangsarbeit in einem Bergstollen, bis die Amerikaner die Häftlinge befreiten. Sieben Jahre kurierte er in Krankenhäusern eine Tuberkulose aus, heiratete dann, gründete eine Familie – und schwieg Jahrzehnte über seine bedrückenden Erlebnisse.
Dieses Buch ist nicht die erste Veröffentlichung über das Sonderkommando in Auschwitz. Einzigartigkeit gewinnt es jenseits der grausamen Einzelheiten vor allem dadurch, dass sich Shlomo Venezia nicht nur als Opfer, sondern stets als handelnde Person begriff, die Spielräume und Möglichkeiten auslotete, Entscheidungen traf oder umstieß. Außerdem gelang es ihm, seine Fähigkeit zu fühlen und damit seine Menschlichkeit zu bewahren.
Rezension: Meyer, Beate





