In Volker Barths Studie „Mensch versus Welt“ zur vierten Weltausstellung stehen allerdings die einzelnen Ausstellungsgegenstände nicht im Zentrum. Indem der Autor die Konzeption, Präsentation und Rezeption dieses modernen „Großevents“ unter die Lupe nimmt, wird sie vielmehr zum Ausgangspunkt für eine Untersuchung von zentralen Ideen und Weltvorstellungen des 19. Jahrhunderts.
Schlüsselbegriffe der Ausstellungskonzeption waren Arbeit und Fortschritt. Die Initiatoren wollten anhand von Exponaten und Installationen eine hochentwickelte „Zukunftswelt“ vor Augen führen. Möbel, Kleidung, Lebensmittel, Maschinen und industrielle Verfahren sollten die voranschreitende Entwicklung der Menschheit dokumentieren. Der Anspruch einer „universellen“ Schau bedeutete dabei keineswegs, „alles“ zu zeigen. Nur Gegenstände, die in den fortschrittsoptimistischen Tenor integrierbar waren, fanden sich in den Pavillons; problematische soziale Phänomene wie Armut, Krankheit oder Verbrechen etwa wurden aus der Gesamtheit ausgeschlossen.
Das Ausstellungskonzept lässt, so Barths Studie, noch weitere Rückschlüsse auf das Denken der Zeit zu, etwa auf den Umgang mit dem Fremden. Der Autor arbeitet her-aus, wie die Ausstellungslogik selbst alles Fremd- und Andersartige von vornherein umdeutete, indem etwa außereuropäische Kulturen durch eine eurozentrische (Fortschritts-)Brille betrachtet und so als unterentwickelt verstanden wurden.
Bei der Umsetzung des Konzepts traten allerdings Probleme auf: Durch knappe Zeitplanung, Konkurrenzdenken der nationalen Aussteller und die Verpflichtung, rentabel zu wirtschaften, entstanden neue Zwänge. Die Inszenierung der Objekte gelang oft nicht in gewünschtem Maße. Und schließlich taten sich erhebliche Diskrepanzen zwischen den Zielen der Ausstellungsinitiatoren und der Wahrnehmung der Besucher auf: Diese sahen in der Pariser Weltschau weniger ein Bildungsangebot als vielmehr eine unterhaltsame Attraktion, nicht weit entfernt vom Jahrmarktsrummel.
Rezension: Marquardt, Philipp





