Welch Spektakel in Hamburg: In “Hagenbecks Thierpark”, dem Vorgänger des 1907 in Stellingen (heute Hamburg) gegründeten Zoos, waren im März 1874 erstmals nicht nur Affen und Elefanten zu betrachten, sondern auch Menschen. Der geschäftstüchtige Tierhändler Carl Hagenbeck stellte im Zoo sechs Menschen aus Lappland buchstäblich “zur Schau”. Der Illustrator Heinrich Leutemann hatte ihn auf diese Idee gebracht. Hagenbeck habe ihm geschrieben, “daß er eine Heerde Rennthiere bestellt habe, und zu deren Wartung auch einige Lappländer werde mitkommen lassen”, erinnerte er sich. Es war durchaus üblich, Menschen aus den Heimatländern der Zootiere als Pfleger zu verpflichten. Doch erst Leutemann witterte darin eine Sensation: Er schrieb zurück, Hagenbeck solle das Unternehmen durch Mitbringen von “Schlitten, Zelten, Geräthschaften, durch Anschließen von Frauen und Kindern, Hunden und sonstigem Zubehör” zum “Vorzeigen des Lappländer Lebens” nutzen und so eine “einzigartige Sehenswürdigkeit” bieten. Auch wenn Hagenbeck sich wohl um gute Begleitumstände für die Lappländer bemühte, so blieben sie und andere Leidensgenossen der in ganz Europa beliebten “anthropologisch-zoologischen Schauen” doch Objekte einer sensationsgierigen Schaulust.





