von STEFAN BERGMANN
Was waren das doch für Zeiten, als ein gemütlich wirkender, Zigarren rauchender älterer Herr, der sein Schwabentum eher zelebrierte als versteckte, der gerade gegründeten Bundesrepublik Deutschland vorstand. Entspannte Zeiten? Gewiss nicht. „Papa Heuss“, wie ihn der Volksmund bald nannte, sah sich vor große Herausforderungen gestellt: die europäischen Nachbarn von der Friedfertigkeit des ehemaligen Feindes überzeugen, die durch Kriegsfolgen und Streit um die NS-Vergangenheit zerrissene Bevölkerung zusammenführen und – natürlich – die noch ungefestigte Demokratie befördern.
Warum der 1884 in Brackenheim bei Heilbronn geborene Journalist, Autor und Politiker dafür der richtige Mann war, das kann man im Stuttgarter Theodor-Heuss-Haus erfahren. Ebenso wie seine spätere Frau Elly Knapp von Friedrich Naumann geprägt, dem Urvater der Liberalen, hatte der studierte Nationalökonom seit 1905 als Journalist Karriere gemacht; 1924 zog er für die Deutsche Demokratische Partei (DDP) in den Reichstag ein. Im März 1933 stimmte auch die DDP – Heuss beugte sich trotz Bedenken der Fraktionsdisziplin – dem sogenannten Ermächtigungsgesetz zu, zentraler Baustein der folgenden NS-Diktatur. Heuss büßte diesen schweren Fehler, indem er ebenso wie zahlreiche andere Abgeordnete das Mandat und alle anderen öffentlichen Funktionen verlor; zudem belegte ihn das Regime mit einem Publikationsverbot.
Nach 1945 engagierte sich Heuss, politisch unbelastet, erneut für den Liberalismus. Als Abgeordneter des Parlamentarisches Rats wirkte er 1948/49 daran mit, aus den Erfahrungen der Gewaltherrschaft zu lernen und eine die individuellen Freiheitsrechte sichernde und auf politischen Ausgleich zielende Verfassung zu entwerfen.
Die neu konzipierte biographische Dauerausstellung „Demokratie als Lebensform“ beleuchtet Leben und Wirken des Paares Theodor Heuss und Elly Heuss-Knapp anhand von 650 Exponaten; 44 Medienstationen mit audio-visuellen Inhalten (Filme, Originaltöne, Fotos, Dokumente) ermöglichen den Besucherinnen und Besuchern, einzelne Themen individuell zu vertiefen oder sich ihnen spielerisch zu nähern, zum Beispiel in Form eines Quiz, in dem es gilt, die Aufgaben von Bundespräsident und Bundeskanzler zu unterscheiden.
Drei Zimmer, Wohn-, Arbeits- und Esszimmer, die mit Möbelstücken und Einrichtungsgegenständen aus dem Besitz des Altbundespräsidenten rekonstruiert wurden, vermitteln das Lebensgefühl der 1950er Jahre. Aus dem Wohnzimmer blickt man auf den typischen Ziergarten dieser Zeit.
Heuss und seine Frau führten, gemessen an den damaligen Gepflogenheiten, eine moderne Ehe. Elly Heuss-Knapp – eigentlich Lehrerin, die sich schon früh für Frauenrechte und sozialpolitische Reformen engagiert hatte – bewährte sich während des Nationalsozialismus als Ernährerin der Familie. Sie arbeitete sehr erfolgreich in der Rundfunkwerbung. Unter anderem erfand sie das „Jingle“, eine Erkennungsmelodie, die mit einem bestimmten Produkt verbunden wird.





