Menschenopfer waren in vielen austronesischen Kulturen weit verbreitet und wurden zu sehr verschiedenen Anlässen vollzogen. Das Begräbnis eines Anführers, die Bestrafung von Tabubrüchen, aber auch die Einweihung eines neuen Bootes oder Hauses konnte Grund für eine Opferung sein.
Auffällig ist jedoch nach Aussage der Forscher, dass es sich bei den Opfern fast immer um Individuen mit niedrigem sozialem Status gehandelt habe, während die Ausführenden in der gesellschaftliche Elite zu finden gewesen seien. Der Psychologe Joseph Watts, Leiter der Studie, geht deshalb davon aus, dass Menschenopfer von den Machthabern gezielt genutzt wurden, um „die Angehörigen der unteren sozialen Schichten zu entmutigen und ihnen Angst einzuflößen. Dadurch waren sie in der Lage, soziale Kontrolle aufzubauen und zu verstärken”.
Den Grund dafür, warum gerade Menschenopfer so ein „erfolgreiches” Mittel zur Sozialkontrolle gewesen seien, sehen die Forscher darin, dass die Opferungen religiös gerechtfertigt wurden. Das habe den rituellen Tötungen eine besondere Autorität verliehen.
Die komplette Studie, die gemeinsam vom Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte in Jena, der Universität Auckland und der Viktoria Universität Wellington erarbeitet wurde, erschien unter dem Titel „Ritual human sacrifice promoted and sustained the evolution of stratified societies” in der Fachzeitschrift Nature.





