Während religiöse Menschenopfer in prähistorischen Kulturen und später bei den Ägyptern durchaus gängig waren, schien dies bisher bei den Zivilisationen der europäischen Antike eher unüblich. Zwar gibt es Berichte von Plato und anderen Geschichtsschreibern über solche Opferpraktiken, weil aber bislang archäologische Beweise dafür fehlten, blieb unklar, ob es sich um Mythen oder historische Realität handelte.
Opfer für Zeus und seine Vorgänger
Eine der Kultstätten, in denen es diesen Überlieferungen nach Menschenopfer gab, ist das Zeus-Heiligtum im Lykaion-Gebirge auf dem Peleponnes. An diesem Ort wurde in der Bronzezeit einem oder mehreren Göttern gehuldigt, wie Funde nahelegen. Das Heiligtum bestand aus einem tieferliegenden Bereich mit einem Hippodrom, einem Stadion und weiteren Gebäuden, in dem Wettkämpfe und Spiele zu Ehren der Götter durchgeführt wurden.
Weiter oben auf dem Gipfel des Berges Profitis Ilias lag der Zeus-Altar. Ein Team aus griechischen und US-amerikanischen Forschern hat dort in Ausgrabungen große Mengen an Tierknochen und Asche gefunden, die zum größten Teil von Ziegen stammen. Außerdem wurden Überreste von Trinkschalen und Figuren von Tieren und Menschen entdeckt.
Skelett eines Jungen
Jetzt hat das griechische Kulturministerium einen neuen, ungewöhnlichen Fund auf dem Altarplateau von Lykaion bekanntgegeben. “Im Sommer 2016 wurde dort ein menschliches Grab entdeckt und ausgegraben. Das Skelett lag in einem schmalen Graben inmitten des Altarbereichs mit Asche und verbrannter Erde”, heißt es in der Mitteilung. Bis auf den oberen Schädelteil waren alle Knochen erhalten.
Nähere Untersuchungen ergaben, dass es sich um die Überreste eines Jugendlichen im Teenageralter handelt. Sein Grab war an den Längsseiten mit verzierten Tonplatten ausgekleidet, weitere Steinplatten lagen in der Hüftregion des Toten. Aus der Datierung dieser Beigaben schließen die Forscher, dass der Jugendliche etwa im 11. Jahrhundert v. Chr. hier begraben wurde – etwa um die Zeit, als das mykenische Reich kollabierte und der Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit stattfand, wie ein Sprecher des Ministeriums erklärt.
War es ein Menschenopfer?
Die Lage des Grabes inmitten der Tierreste könnte ein Hinweis darauf sein, dass dieser Jugendliche im Rahmen eines Rituals geopfert wurde. “Immerhin berichten mehrere antike Quellen über Gerüchte, nach denen an diesem Zeus-Altar Menschenopfer stattfanden”, sagte David Gilman Romano von der University of Arizona, einer der Grabungsleiter, gegenüber der AP. Doch bis vor einigen Wochen habe man keine Spur menschlicher Knochen in diesem Bereich entdeckt.





