In diesem Forschungszusammenhang steht die umfängliche, lesenswerte Biographie, die der Münchner Historiker Wolfram Siemann dem Ausnahmediplomaten gewidmet hat. Siemann aber geht weiter: Ruhe und Ordnung seien für den Strategen und Visionär Metternich kein Selbstzweck gewesen, sondern einziger Garant eines Europas des Rechts und des Ausgleichs. Dazu stand der Emporkömmling Napoleon in krassem Widerspruch; dessen rücksichtslose Ambitionen bekämpfte Metternich ebenso wie nationale und revolutionäre Bestrebungen, die für ihn in einen europäischen Krieg zu münden drohten. Ob damit aber alle seine Unterdrückungsmaßnahmen gegen Andersdenkende nachträglich vertretbar erscheinen, muss doch sehr bezweifelt werden.
Rezension: Dr. Heike Talkenberger





