Solingen feiert sein 650-Jahr-Jubiläum. Dabei ist die bergische Stadt fast so alt wie ihre Metallindustrie. Auch wenn man vermutet, dass es hier bereits in fränkischer Zeit Klingenwerkstätten gab, sind diese erst seit dem 14. Jahrhundert erwähnt. Seit Ende des 16. Jahrhunderts erlangten die Solinger Meister Bekanntheit und verewigten sich mit Schlagstempeln auf ihren Klingen.
Zur selben Zeit etablierte sich auch das Qualitätssiegel „ME FECIT SOLINGEN“ („Mich hat Solingen gemacht“). Diese Signatur wurde insbesondere auf Schwerter geprägt und war in ganz Mitteleuropa bekannt. Bis heute hat die Stadt einen Ruf als Klingenstadt; fast 90 Prozent der deutschen Schneidwarenhersteller sind in Solingen ansässig.
Das Deutsche Klingenmuseum im Stadtteil Gräfrath beherbergt nach eigenen Angaben nicht nur die größte Bestecksammlung der Welt, auch Waffen und Schneidwaren aller Art sind dort zu bewundern: etwa Instrumente zum Aderlass, Schneiderscheren oder Freimaurer-Degen. Highlights der Ausstellung sind eine voll gedeckte Tafel wie in einem Adelshaus des 18. Jahrhunderts oder ein aus Scheren arrangierter Pfau der Firma J. A. Henckels Zwillingswerk für die Weltausstellung in St. Louis (USA) 1904.
Die Ausstellungsstücke sind nicht auf den Produktionsort Solingen beschränkt. So widmet sich eine Abteilung außereuropäischen Waffen und Essgeräten. Dazu zählen Säbel aus Indien (genannt Shamshir), Zeremonialschwerter indigener Völker aus der Kongo-Region oder historische Essstäbchen aus China. Auch was die Epochen angeht, ist das Klingenmuseum breit aufgestellt. Die ältesten Exponate stammen aus der Bronzezeit. Wer sich einzelne Stücke noch einmal genauer ansehen möchte, kann sich einfach von zu Hause aus durch die Online-Sammlung mit rund 2700 Objekten klicken.
Einmal im Jahr bietet sich sogar die Gelegenheit, Originalstücke in die Hand zu nehmen: während der „Knife“, einer der größten Messen für Messer und Klingen in Europa, die das Deutsche Klingenmuseum ausrichtet. Die nächste „Knife“ findet am 11./12. Mai 2024 statt.
Geschichtsträchtig wie seine Objekte ist auch das Gebäude des Deutschen Klingenmuseums. Nach dem Bericht einer Marienerscheinung wurde 1187 das „Monasterium Sanctae Mariae in Greuerode“ als benediktinisches Frauenkloster gegründet. Nachdem das Kloster Anfang des
13. Jahrhunderts eine Reliquie der heiligen Katharina vom Berg Sinai erhalten hatte, etablierte sich Gräfrath (heute ein Stadtteil von Solingen) im 14. und 15. Jahrhundert als Wallfahrtsort. Laut Pilgerberichten soll die Reliquie Milch, Blut, Öl, Wasser und Honig von sich gegeben haben. Der Kirchenschatz des Gräfrather Klosters – samt dem Knochenteil der Katharina – ist heute im Erdgeschoss des Museums ausgestellt. Im Untergeschoss ist auch das Ortsmuseum Gräfrath integriert.





