Die Kunsthistorikerin Romina Ebenhöch ist diesen Fragen auf den Grund gegangen. Die Basis ihrer Studie bildet ein von ihr erstellter Katalog, der erstmals eine Gesamtauflistung der weitgehend unerforschten Schmuckgattung bietet. Für den untersuchten Zeitraum von 1450 bis 1650 kann Ebenhöch eine bunte Vielfalt von 56 Anhängern nachweisen. Der Katalog enthält detaillierte Beschreibungen, Abbildungen der Objekte und Informationen zu Herkunft und Aufbewahrungsort. Die Studie basiert aber nicht nur auf den dort verzeichneten Exemplaren, sondern zieht auch Bildquellen wie gezeichnete Entwürfe für Schmuckbücher und Textquellen wie Inventare heran, die von der einstigen Bedeutung der Schmuckstücke zeugen.
Die Kunsthistorikerin wirft Licht auf die unterschiedlichen Formen, Funktionen und Kontexte der Anhänger. Die meisten der Schmuckstücke in Buchform ließen sich öffnen. In ihrem Inneren wurden Bildnisse oder Reliquien verwahrt. Manche dienten als Rosenkranz-Anhänger. Andere waren dazu gedacht, wohlriechende Stoffe aufzubewahren und ihren Duft durch eine durchlässig gestaltete Oberfläche zu verströmen.
Die repräsentativen Schmuckstücke, die an Ketten um den Hals getragen, in Brustnähe angeheftet oder am Gürtel befestigt wurden, waren für ihre Trägerinnen und Träger außerdem ein Statussymbol. So dienten sie dazu, humanistische Gesinnung und Belesenheit zu betonen. Zudem konnten sie ein konfessionelles Statement und Mittel der Glaubensvergewisserung sein – oder aber sie versprachen ihren Besitzern als wirkmächtiges Amulett Schutz.





