Man schrieb den 29. Oktober 1268. Auf dem Marktplatz von Neapel war mit Blick auf den Vesuv das Schafott errichtet. Ein königlicher Protonotar verlas der gaffenden Menge das Urteil: Tod durch das Schwert. Wenig später wurden der gerade einmal 16-jährige Staufer Konradin, Herzog Friedrich von Österreich, Graf Wolfrad von Fehringen, Marschall Kroff von Flüglingen und einige andere Große aus dem Gefolge des jungen Staufers als angebliche Hochverräter und Majestätsverbrecher enthauptet. Unter den Schwertern der Henker des sizilischen Königs Karl von Anjou starb mit Konradin nicht nur der letzte legitime Erbe der Staufer, mit ihm erlosch auch der staufische Traum von einer Herrschaft über Sizilien. Kein römisch-deutscher König sollte mehr in Süditalien Fuß fassen können.
Seit der Zeit der Ottonen, die nach Rom gezogen waren, um die Kaiserkrone zu erlangen, war Italien immer stärker ins Blickfeld der deutschen Herrscher geraten. Kommunikation und Austausch fanden seither auf verschiedensten Ebenen statt. Zu denken ist zunächst an die Verbindungswege über die Alpen, die Kontakte erst ermöglichten, an Handel und Warenaustausch, aber auch an die Rom- und Heerfahrten der römisch-deutschen Könige und Kaiser sowie an deren Einmischung in die politischen und wirtschaftlichen Belange Italiens. Ihren Zenit erreichten diese Aktivitäten im Zeitalter der Staufer. Eine wichtige Rolle spielten dabei die deutschen Ritter, die ihre Herrscher nach Süden begleiteten und dort auf unterschiedlichen Feldern tätig wurden. Aus der Fülle der Kontakte soll hier ein kleines Spektrum herausgegriffen werden.
Für einen wie auch immer gearteten Transfer von Nord nach Süd – und natürlich in die Gegenrichtung – galt es zunächst, die natürliche Barriere der Alpen zu überwinden. Dafür stand bereits im Mittelalter eine Anzahl von Pässen zur Auswahl, so der Große St. Bernhard (von Deutschland aus gesehen) im Westen und der Brenner im Osten; nur selten genutzt wurde der ganz im Westen gelegene Mont Cenis. Das in der Mitte gelegene Pass-System des Septimers stellte zwar die direkteste Verbindung vom staufischen Schwaben nach Süden dar, doch war es vor allem für den Individualverkehr und den Handel bedeutsam. Dies lag vor allem daran, dass es in der südlichen Talsohle des Septimers keine Straße gab, auf der größere Gruppen den Comer See hätten umgehen können, so dass man mit Booten nach Como oder Lecco an den Südspitzen des Sees übersetzen musste. Vor allem größere Heeresaufgebote nahmen daher meist den Weg von Augsburg über den Brenner. Dieser besaß eine relativ leicht begehbare gute Pass-Straße, und da er mit 1370 Metern der niedrigste der Alpenpässe war, konnten Pferde und Saumtiere dort mehr Futter finden. Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, warum Friedrich Barbarossa fast stets den Weg über den Brenner wählte, wenn er im Kampf gegen Mailand und dessen Verbündete größere Heere über die Alpen führte.
Zu den genannten Pässen gesellte sich seit der Mitte des 12. Jahrhunderts der St. Gotthard. Wenn auch nicht so leicht gangbar, stellte er doch den kürzesten Alpenübergang dar. Seine wachsende Bedeutung steht in engem Zusammenhang mit dem politischen und wirtschaftlichen Erstarken Mailands, in dessen Nähe die Pass-Straße mündete. Einen wesentlichen Schub erhielt der Warenaustausch über den St. Gotthard erst im 13. Jahrhundert durch den Bau eines Vorläufers der späteren Teufelsbrücke über die Reuss…





