In dieser Region lebten aber nicht nur deutschprachige Siedler, sondern darüber hinaus Rumänen, Serben, Kroaten, Ungarn, Sinti, Roma, Bulgaren, Schokatzen und zahlreiche andere Völker. Sie lebten oft mehr neben- als miteinander, aber es war ein Nebeneinander, das weitgehend funktioniert hat. Dafür sorgte die Verwaltung der Habsburger-Monarchie, für die nicht die Nationalität entscheidend war, sondern der Nutzen, den die einzelnen Siedler in der jeweiligen Region versprachen.
DAMALS-Leserreisen kennzeichnen sich dadurch aus, dass neben einem Mitglied der Redaktion und gegebenenfalls örtlichen Reiseleitern ein wissenschaftlicher Begleiter dabei ist, der sich durch besondere Orts- und Fachkenntnisse auszeichnet. Das ist im Fall unserer Südosteuropareise Josef Wolf vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen, der selbst aus dem Banat stammt. Ein besonders eindrucksvolles Erlebnis war es für uns aber auf den ersten Tagen unserer Reise, dass noch weitere intime Kenner des Landes zu uns stießen. So führte uns Dr. Miodrag Milin von der Academia Romana in Temeswar auf den Spuren der Revolution von 1989 in Rumänien, die eben in der Kapitale des Banat ihren Ausgang genommen hat. Eine Revolution, die anders als in der DDR einen blutigen Verlauf genommen hat. Doch natürlich hatten wir auch Augen für die herausragenden baulichen Zeugnisse von Temeswar, eine sehenswerte Stadt, die vom Tourismus noch praktisch unberührt ist. Unübersehbar aber auch, dass Rumänien ein armes Land ist, trotz der Zugehörigkeit zur Europäischen Union.
Heute haben wir das Umland von Temeswar erkundet. Wer ahnte schon, dass der Dichter Nikolaus Lenau aus dem Banat stammt? In seinem Geburtshaus führte uns eine jener “Schwowe”, die noch immer in der Region leben und gab uns dabei zusätzlich Einblicke in den Alltag der deutschen Minderheit in Rumänien. Ursprünglich gab es in dem 1926 nach dem Dichter benannten Ort Lenauheim eine überwiegend deutschsprachige Bevölkerung. Heute zählen dazu nur noch 19 von über tausend Bewohnern. Die Multiethnizität des Banat ist längst nicht mehr so groß, wie sie unter dem Dach der k.uk.-Monarchie einst gewesen ist. Und doch ist sie ein spürbarer Teil nicht nur der Geschichte, sondern auch der Gegenwart dieses fruchtbaren Landstrichs.
Heute werden wir auf in den heute serbischen Teil des Banats aufbrechen. Von dort geht es dann weiter in die Batschka, nach Syrmien, ins kroatische Slawonien und in die Schwäbische Türkei, wie die Region um das ungarische Pecs/Fünfkirchen einst genannt wurde. Wir sind gespannt, was uns dabei noch alles erwartet. Doch eine Erkenntnis unserer Reise wird bleiben: Die Angehörigen verschiedener Völker können nicht nur in einem Land, sondern sogar in einem Dorf friedlich nebeneinander leben. Nicht Entwicklungen an der Basis haben die Multikulturalität Südosteuropas gefährdet, sondern politische Entscheidungen,an denen die einfachen Leute fast nie einen Anteil hatten.





