Die Forscher um Ron Pinhasi vom University College Dublin haben für ihre Studie die Kiefer und Zähne von knapp 300 Skelettfunden ausgewertet. Es handelte sich um Funde aus der Levante, Anatolien und Europa, die eine Alterspanne von 28.000 bis 6.000 Jahren vor unserer Zeit abdeckten. Die frühen Funde repräsentierten demzufolge moderne Menschen, die noch Jäger- und Sammlerkulturen angehört hatten. Ab der Zeit von vor etwa 12.000 Jahren hielt dann langsam der Ackerbau Einzug in die Lebensweise der Menschen. Es war bereits bekannt, dass im Zuge dieser Innovation ihre Kiefer kleiner wurden.
“Unsere Analysen zeigen, dass die Unterkiefer der ersten Bauern der Levante nicht einfach kleinere Versionen von denen ihrer Jäger und Sammler Ahnen waren, sondern dass es zu komplexen Formänderungen im Zuge der Umstellung auf die Landwirtschaft kam“, sagt Pinhasi. Den Forschern zufolge besaßen die Gebisse der Jäger und Sammler noch einen ausgeprägt harmonisches Verhältnis zwischen Kiefer und Zähnen. „Genau diese Harmonie schwand allerdings zunehmend bei den frühen Bauern”, erklärt Pinhasi.
Den Forschern zufolge wurden die Kiefer zierlicher, da ein kräftiger Kauapparat schlicht nicht mehr nötig war – gemäß dem Evolutions-Prinzip: Überflüssige Merkmale bilden sich zurück. Die Jäger und Sammler brauchten ihre kräftigen hingegen Kiefer noch, um hartes Wildgemüse und zähes Fleisch kauen zu können. Für die vergleichsweise weiche Kost der Bauern – gekochtes Gemüse, Getreideprodukte und Hülsenfrüchte – reichte auch ein zierlicher Kauapparat aus.
Doch offenbar folgten die Zähne diesem Verkleinerungstrend nicht im gleichen Maße wie der Kiefer: Ihre Anzahl blieb gleich und auch ihre Größe passte sich nicht adäquat an, berichten die Forscher. Das Resultat war Gedränge, das zu einer Zunahme von Fehlstellungen und Engständen im Gebiss führte. Darunter leidet die Menschheit bis heute: Jeder Fünfte ist davon betroffen und damit meist auch von den entsprechenden Problematiken. Die Botschaft der Studie in diesem Zusammenhang scheint klar: Das war der Preis für zarte Kost.





