Sein Buch beginnt nicht mit meuternden Matrosen, tödlichem Skorbut oder ähnlich dramatischen Expeditionserfahrungen der frühen Neuzeit, sondern in der Gegenwart. Aktuell spielt die Route durch das Nordmeer, die infolge des Klimawandels immer häufiger befahrbar ist, wieder eine zentrale Rolle in der internationalen Politik. In der Debatte steht vor allem die Frage im Fokus, wem die Wasserstraße gehört. Während die USA und andere Länder sie als internationale Transitroute betrachten, sieht Russland darin eigenes Hoheitsgebiet. Worauf gründen sich Russlands historische Ansprüche im arktischen Ozean? Das ist die Frage, die Renner an den Anfang seines Buches stellt.
Im Anschluss schreitet er in 15 Kapiteln durch die Erschließungsgeschichte des Seewegs. Dabei rekapituliert er sowohl prominente Expeditionen wie die ursprünglich von Zar Peter dem Großen angestoßene Forschungsreise unter der Leitung des Dänen Vitus Bering als auch weniger bekannte Vorstöße wie den von Semjon Deschnjow. Der Kosake befuhr auf der Suche nach neuen Jagdgebieten und Tributzahlern bereits 1648 – und damit 80 Jahre vor Bering – die später nach dem dänischen Kapitän benannte Bering-Straße.
Das vielschichtige Buch macht deutlich, dass es stets ganz verschiedene Gründe dafür gab, dass sich Menschen auf die gefährliche Reise in die unbekannten, die meiste Zeit über vereisten Meere wagten. Nicht nur Forscher und Abenteuerlustige, sondern auch Fernhändler, Militärs und Machthaber zeigten – und zeigen bis heute – großes Interesse an der Passage
Autorin: Dr. Anna Joisten





