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Mit Dreschflegeln gegen Kanonen?
Der Bauernkrieg wird gerne als einseitiges Gemetzel dargestellt, bei dem mit Mistgabeln und Sensen bewaffnete Bauernscharen den straff geführten Truppen der Fürsten chancenlos unterlagen. Doch entspricht das den Tatsachen? Welche Waffen und Taktiken brachten die Bauern wirklich ins Feld?
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Mit rund 70 000 Toten war der Bauernkrieg von 1524 bis 1526 die schwerste militärische Auseinandersetzung, die vor dem Dreißigjährigen Krieg im Heiligen Römischen Reich stattgefunden hat. Trotzdem wird er fast nur als soziales, politisches und religiöses Ereignis, aber kaum als Krieg wahrgenommen. So hat auch die Forschung den militärischen Verlauf des Bauernkriegs sträflich vernachlässigt. Wenn er überhaupt zur Sprache kommt, folgt man gängigen Klischees, denen zufolge spontane Zusammenrottungen rudimentär bewaffneter Bauern von der stramm organisierten Kriegsmaschine der Fürsten und des Schwäbischen Bundes mühelos in den Boden gestampft wurden.
Die militärischen Voraussetzungen der Bauern sind besser als gedacht
Demgegenüber hatte schon 1933 der Altmeister der Bauernkriegsforschung Günther Franz festgestellt: „Der schnelle und endgültige Zusammenbruch der Bauernbewegung ist nicht leicht zu erklären. Militärische Unterlegenheit der Bauern kann nicht der ausschlaggebende Grund sein. Die Bauernheere waren an Zahl nur selten geringer, zuweilen sogar stärker als die ihrer Gegner. Die Masse der Bauern war nicht etwa nur mit Sensen und Dreschflegeln, sondern mit Spießen und Gewehren bewaffnet, denn im ganzen Aufstandsgebiet besaßen die Bauern das Waffenrecht.“
Ernster nahm die militärischen Aspekte die DDR-Historiographie, für die der Bauernkrieg ein favorisiertes Betätigungsfeld war. Die Arbeiten der DDR-Militärhistoriker Manfred Bensing und Siegfried Hoyer blieben auf Jahrzehnte die einzigen ernsthaften Monographien zu diesem Thema. Erst Peter Blickles Biographie des „Bauern-Jörg“ und die Publikationen des Briten Douglas Miller haben in jüngster Zeit in einigen Punkten über den Stand der DDR-Forschung hinausgeführt, doch bildet eine Gesamtdarstellung auf dem neuesten Stand der Militärgeschichte nach wie vor ein Desiderat.
Die Armeen beider Seiten, die im Frühjahr 1525 die großen Schlachten des Bauernkriegs schlugen, wurden in erstaunlich kurzer Zeit auf die Beine gestellt. Die Bauern waren hier zunächst klar im Vorteil. Wir haben es nämlich nicht mit so etwas wie der systematisch entwaffneten wehrlosen „Zivilgesellschaft“ heutiger europäischer Staaten zu tun. Das Führen von Waffen war vielmehr selbstverständlich und wurde von der Obrigkeit sogar gefördert, um Bürger und Bauern im Bedarfsfall zur Landesverteidigung heranziehen zu können.
Damit sollten die teuren und unzuverlässigen Söldnerheere entlastet werden, derer man sich in der zwischenstaatlichen offensiven Kriegführung bedienen musste. Diesen „Landesdefensionen“ waren auch polizeiliche Aufgaben wie die Niederkämpfung von Raubritternestern zugedacht. Jeder Haushalt war verpflichtet, einen Mann zur Landesdefension abzustellen. Landständische Städte und vor allem die Freien Reichsstädte besaßen eigene Bürgerwehren, die wohlgefüllte Zeughäuser besaßen, nicht zuletzt einen stattlichen Bestand an Geschützen. Da nicht wenige Städte mit den Bauern gemeinsame Sache machten, teils freiwillig, teils unter Zwang, konnten sich die Aufständischen dieses Waffenreservoir zunutze machen.
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Vor allem verfügten die Land- und die Stadtbevölkerung durch die Landesdefension bereits über ein organisatorisches Gerüst, das es ermöglichte, innerhalb kurzer Zeit Zehntausende Bewaffneter zu mobilisieren. Auch das Verpflegungswesen hatte ein funktionsfähiges Rückgrat. Wäre es gelungen, die verschiedenen „Haufen“, die sich in Südwest- und Mitteldeutschland bildeten, zur großräumigen Kooperation zu bringen, hätte sich eine gewaltige Übermacht ergeben, standen doch Anfang Mai 1525, auf dem Höhepunkt des Aufstands, insgesamt etwa 140 000 Bauern unter Waffen.
Woran es den Bauern vor allem fehlt, sind überregionale Strukturen
Lange ließen sich solche Massen freilich nicht zusammenhalten, da die Bauern sich auch um ihre Höfe kümmern mussten. Zu diesem Zweck griff man zu einem Rotationssystem, wie man es auch in der Landesdefension anwandte. Meist stand nur etwa ein Drittel der dienstpflichtigen Männer tatsächlich im Feld. Das hätte es aber immer noch erlaubt, mit drückender Übermacht aufzutreten, hätte man es geschafft, die Kräfte am jeweils entscheidenden Punkt zusammenzufassen. Aber hierfür fehlte die Grundlage einer überregionalen Organisation, außerdem standen für die einzelnen Haufen ihre eigenen regionalen Interessen im Vordergrund. So gelang es den an sich zahlenmäßig weit unterlegenen bündischen und fürstlichen Streitkräften dank professioneller Führung immer wieder, am Ort der Entscheidung konzentriert mit allen verfügbaren Kräften aufzutreten und die Bauernhaufen, die trotz wiederholter Bemühungen ihr Potential nie ausreichend zu bündeln vermochten, zu zerschlagen.
In den ersten Monaten des Aufstands war aber die strategische Situation noch eine völlig andere. Die Bauern stellten in großer Geschwindigkeit starke aktionsbereite Haufen ins Feld, denen zunächst nirgends ein ebenbürtiger Gegner gegenüberstand. Das lag zum einen daran, dass die Erhebung in dieser Ausdehnung und Wucht unerwartet kam, zum anderen, dass die Fürsten und der Schwäbische Bund über keine stehenden Armeen verfügten. Um solche zu unterhalten, fehlten noch die finanziellen Mittel und die fiskalisch-administrative Struktur des modernen Staates.
Erst im Ernstfall begann man, die adlige Reiterei gemäß ihrer feudalen Vasallenpflichten aufzubieten und Söldner anzuwerben. Letzteres geschah auf Grundlage des militärischen Unternehmertums. Die Fürsten und anderen Dienstherren beauftragten Obristen mit der Aufstellung professioneller Regimenter, die sich aus Söldnern rekrutierten, die auf dem freien Markt ihre Dienste anboten. Schwaben, das Allgäu, Franken, Tirol waren die Kerngebiete des süddeutschen Landsknechtwesens, das Ende des 15. Jahrhunderts in Nachahmung der Schweizer „Reisläufer“ entstanden war. Die Obristen griffen ihrerseits auf Hauptleute als Subunternehmer zurück, welche die Anwerbung für die von ihnen geführten Unterabteilungen („Fähnlein“) übernahmen, die eine Sollstärke um die 400 Mann hatten. Die Landsknechte waren, wie die Schweizer, ausschließlich Fußsoldaten. Die Reiter, zu denen neben den Rittern auch viele Söldner zählten, nannte man „Reisige“.
Die Söldner dienten, um Geld zu verdienen und ein vergleichsweise freies, wenn auch hochriskantes Leben zu führen. Sieht man von den berufsspezifischen Gefahren von gewaltsamem Tod und Verwundung ab, war der größte Feind des Söldners der Friede, denn er machte sie arbeitslos. Blieb der Sold aus, konnte es zu Meutereien kommen, wie es auch im Bauernkrieg wiederholt geschah.
Dazu gesellten sich im Ausnahmefall des Krieges gegen Bauern Loyalitätskonflikte. Die meisten Landsknechte stammten aus denselben Regionen und sozialen Schichten wie die aufständischen Bauern. Das führte zu Dienstverweigerungen, ja sogar zum Überlaufen. Dazu kam, dass auch die Bauern und vor allem die Städte Landsknechte anwarben. Wenn ein Bauernhaufen einen substantiellen Anteil von gelernten Landsknechten enthielt, nahm seine Schlagkraft erheblich zu. In solchen Fällen zogen es die Gegner oft vor, zu verhandeln, statt zu kämpfen, wie bei Weingarten, Leubas und Salzburg.
Die operativen Mängel der Bauernhaufen, die nicht auf der Ebene unzureichender numerischer Stärke, auch nicht auf der inferiorer Bewaffnung lagen, sondern auf der von Erfahrung, Koordination und Führung, kamen aber erst seit April 1525 zum Tragen, als es der Gegenseite gelungen war, schlagkräftige Armeen auf die Beine zu stellen.
Die fürstlich-bündische Reaktion hatte sich aus zwei Gründen hingezogen. Zum ersten war im Winter 1524/25 der Söldnermarkt erschöpft, denn die Masse der Landsknechte und Reisigen kämpfte in Oberitalien gegen die Franzosen. Erst nach dem Sieg von Pavia am 24. Februar 1525 standen wieder große Massen an Veteranen zur Verfügung. Diese konnten jedoch zunächst immer noch nicht gegen die Aufständischen geführt werden, da, zum zweiten, der Schwäbische Bund, die einzige effektive militärische Reichsorganisation, den Einfall des verbannten Herzogs Ulrich von Württemberg in seine Länder abwehren musste. Erst als diese Gefahr in der zweiten Märzhälfte gebannt war, konnte der Feldhauptmann des Bundes Jörg Truchseß von Waldburg sich ernsthaft mit der Niederwerfung des Aufstands befassen.
Diese tödlichen Waffen kommen in beiden Lagern zum Einsatz
Die Beschaffung von Waffen stellte ein geringes Problem dar, denn diese waren bei Kriegsausbruch zum größten Teil bereits vorhanden. Reisige und Landsknechte verfügten über sie als ihr berufliches Handwerkszeug, das sie bei Dienstantritt mitzubringen hatten.
Zur Deckung des Bedarfs gab es gerade in Süddeutschland eine leistungsfähige Rüstungsindustrie mit Zentren wie Nürnberg, Augsburg, Landshut, Innsbruck und Passau. Das in der Eifel, im Harz, in der Oberpfalz sowie in der Steiermark teils im Tagebau, teils im Stollenbau geförderte Eisenerz wurde mithilfe der im Spätmittelalter entwickelten Hochöfen und wasserkraftbetriebenen Hämmer zu hochwertigem Stahlblech verarbeitet.
Spezialisierte Handwerkszweige wie die Plattner (Harnischschmiede), Sarwürker (Kettenpanzerhersteller), Klingenschmiede, Schwertfeger (sie gaben den Produkten der Klingenschmiede das finish), Büchsenmacher (Hersteller von Handfeuerwaffen), Glockengießer (sie gossen die Bronzerohre der Geschütze) waren in Zünften organisiert und unterlagen strengen Qualitätskontrollen.
Was den Einsatz der Waffen angeht, muss man die Fußtruppen, die Artillerie und die Reiterei unterscheiden. Mit Ausnahme der Letzteren, die aufseiten der Bauern faktisch nicht vorhanden war, entsprachen einander die Verhältnisse in beiden Lagern weitgehend, da sich die Landesdefensionen und die Massenaufgebote der Bauern die Landsknechtsheere zum Vorbild nahmen. Das Fußvolk zerfiel wiederum in die schwere Infanterie, die etwa 80 bis 90 Prozent der Fußtruppen ausmachte und mit Stangenwaffen bewaffnet war, und die leichte Infanterie, die mit Handbüchsen das Feuergefecht betrieb. Alle führten zusätzlich zu ihrer Primärwaffe ein Schwert oder einen Säbel.
Die Artillerie war noch nicht militärisch organisiert und hatte ein eher zünftisches Wesen. Die schwereren Geschütze kamen vor allem im Belagerungskrieg zum Einsatz, im Bewegungskrieg und im Gefecht bediente man sich der leichten und mittleren Kaliber.
Zwar gaben Feuerwaffen schon seit dem mittleren 14. Jahrhundert dem Belagerungskrieg das Gepräge, doch in der offenen Feldschlacht dominierte nach wie vor die „Handarbeit“ mit Hieb- und Stich- sowie Schlag- und Stoßwaffen. Die taktisch wichtigeren waren die Letzteren in Gestalt der Stangenwaffen, auf denen die Taktik der geschlossenen Formationen beruhte.
Doch wenn sich diese auflösten und es zum Kampf Mann gegen Mann kam, griff man zu den an der Seite in Scheiden geführten Blankwaffen, dem Schwert und dem Dolch. Bezeichnenderweise trug das Standardschwert der Landsknechte den Namen Katzbalger, da es im engsten Handgemenge eingesetzt wurde, wenn die Männer sich wie balgende Katzen ineinander verkrallten. Der Katzbalger war ein gerades Schwert mit einer zweischneidigen, 55 bis 70 Zentimeter langen Klinge.
Das Reiterschwert war bedeutend länger mit einer Klingenlänge von 80 bis 100 Zentimetern und einer Gesamtlänge von 105 bis 140 Zentimetern. Die bedeutende Länge des Griffstücks lag in dem Umstand begründet, dass es sich meist um Schwerter „zu anderthalb Hand“ handelte, auch „Bastardschwerter“ genannt. Das heißt, dass die Waffen wahlweise mit einer oder mit zwei Händen geführt werden konnten.
Die Zweihänder mit Klingenlängen von 120 bis 130 Zentimetern, Gesamtlängen um die 170 Zentimeter und Gewichten von über drei Kilogramm waren Infanteriewaffen und wurden von den nicht sehr zahlreichen Doppelsöldnern verwendet. Sie dienten vor allem dazu, die gegnerischen Spieße zur Seite zu schlagen und Breschen in die geschlossene Front zu treiben, in die dann die Hellebardiere eindringen konnten.
Neben den geradezu zur Alltagstracht gehörenden „Bauerwehren“, Messern mit 30 bis 50 Zentimeter langen Klingen, waren für die Bauern und Bürger die „Langen Messer“ typisch. Das waren unterschiedlich dimensionierte, asymmetrisch gestaltete Säbel mit gebogenen Klingen von 65 bis 120 Zentimetern Länge. Der Rücken der Klinge war stumpf, abgesehen von den letzten 20 bis 30 Zentimetern, die beidseitig geschliffen waren, um neben dem Hieb auch einen effektiven Stich zuzulassen. Die geraden Parierstangen besaßen in der Mitte auf der rechten Seite einen senkrecht abstehenden „Pariernagel“.
Die mit Abstand häufigste Stangenwaffe der Landsknechte war der Langspieß. Seine Bestimmung war der kollektive Einsatz in geschlossener Formation, wobei in gedrängter Aufstellung noch die Spießeisen des fünften Gliedes vor die Front des ersten reichen konnten. Etwa 70 Prozent der in kompakten Haufen kämpfenden Landsknechte führten den langen Spieß. Er war eine simple und billige Waffe, doch nicht schnell in größerer Menge beschaffbar, da man für seine Herstellung entsprechend lange, gerade gewachsene und ausreichend lang gelagerte Eschenstämme brauchte.
Die Langspießträger umkleideten den Haufen ringsum, da nur sie die gleiche Reichweite wie die gegnerischen Spießträger und die mit fast ebenso langen Lanzen bewaffneten schweren Reiter besaßen. Da die Landesdefensionen eigentlich nicht für die rangierte Feldschlacht bestimmt waren, besaßen sie selten Langspieße, was sie sehr anfällig gegen Reiterattacken machte, weil sie sich mit ihren kurzen Spießen, Hellebarden und Schlagwaffen nicht die Reisigen mit deren langen Lanzen vom Leibe halten konnten.
Die Hellebarde – die vielseitigste und mörderischste Stangenwaffe
Der Rest der im Haufen stehenden Landsknechte trug mit Ausnahme der wenigen Zweihandschwertkämpfer die Hellebarde, eine kombinierte Schlag- und Stoßwaffe mit einer Gesamtlänge von bis zu 2,4 Metern. Ihr Nachteil gegenüber dem Langspieß war ihre geringere Reichweite. Außerdem brauchte man für den Einsatz als Schlagwaffe mehr Raum. Man stellte die Hellebardiere daher hinter die Langspießträger, wo sie darauf warteten, dass sich Lücken in der Front bildeten, durch die sie in die gegnerische Formation einbrechen konnten. Hellebarden waren auch bei den Bauern und vor allem bei den Bürgern verbreitet.
Die Reisigen führten zwei Arten von Lanzen. Die schwere, vollständig gepanzerte Reiterei verwendete eine sehr lange und schwere Lanze mit einem bis zu fünf Meter langen Schaft, mit der man den Langspießen des Fußvolks beizukommen suchte. Die eingelegte Lanze bezog ihre Stoßkraft aus dem Bewegungsmoment des Pferdes. Ross und Reiter bildeten so ein gewaltiges Geschoss, dessen Wucht in der Lanzenspitze gebündelt wurde. Die leichte Reiterei bediente sich einer wesentlich kürzeren, etwa 3,5 Meter langen, handlicheren Lanze, die auch einen freischwingenden, mit der Kraft des Armes geführten Einsatz zuließ.
Die verbreitetste Stangenwaffe der Bauern war ein einfacher halblanger Spieß von 2,5 bis drei Metern Länge. Er ging gleitend über in den kürzeren, etwa zwei bis 2,4 Meter messenden „Sauspieß“. Der Name rührt daher, dass er auch jagdlich zum Abfangen von Wildsäuen eingesetzt wurde, was den Bauern, wie jegliche Jagd auf Hochwild, freilich streng untersagt war.
Der Morgenstern, den man gerne mit den Bauern verbindet, war eine improvisierte Schlag- und Stoßwaffe, die jeder Dorfschmied herstellen konnte. Er bestand aus einem etwa zwei Meter langen Schaft, in dessen verdicktes Ende Stacheln getrieben waren. Morgensterne gehörten entgegen allgemeiner Ansicht nie zur ritterlichen Bewaffnung, ebenso wenig zu der der Landsknechte. In den bäuerlichen Aufgeboten kamen sie zwar vor, aber bei Weitem nicht so häufig wie angenommen. In Museen kann man zahlreiche Exemplare finden – im Berliner Zeughausmuseum wimmelte es zu DDR-Zeiten nur so von Morgensternen, Dreschflegeln und Sensen als Manifestationen der revolutionären Traditionen des deutschen Volkes –, doch sind diese fast alle Nachempfindungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert.
Dreschflegel und Sensen sind nicht die erste Wahl
Für den schon bei den Zeitgenossen geradezu als Symbol des bäuerlichen Widerstands geltenden Dreschflegel gilt nicht minder das gerade Gesagte, nur dass es sich dabei um ein umfunktioniertes bäuerliches Gerät handelte. Der Dreschflegel bestand aus einem gut 1,5 Meter langen Schaft und einem 50 bis 60 Zentimeter langen Schlegel aus Hartholz. Beide Teile waren mit einem ledernen Bindeglied beweglich miteinander verbunden. Schon ohne spezielle Zurichtung entwickelt dieses Werkzeug dank der Fliehkraft eine enorme Wucht. Bei kriegerischem Gebrauch wurde das Schlagholz meist mit Eisenbändern verstärkt und mit Nägeln gespickt.
Die Handfeuerwaffe war erst durch die Entwicklung des Luntenschlosses nach 1450 für das Bewegungsgefecht feldtauglich geworden, sodass sie innerhalb weniger Jahrzehnte zur vorherrschenden Fernwaffe der Infanterie wurde. Man setzte die so bewaffneten Soldaten vor der Front der großen Haufen in lockeren Schützenschwärmen ein, weshalb ihr Anteil an der Gesamtstärke der Landsknechte um 1525 nur zehn bis 15 Prozent betrug. Aufseiten der Bauern und Bürger dürfte der Prozentsatz an Büchsenschützen kaum geringer gewesen sein.
Was die Artillerie betraf, so war ein großer Teil der in der offenen Schlacht eingesetzten Geschütze kleinkalibrig, die Rohre meist aus Eisen hergestellt. Es waren vor allem Serpentinelle und Falkonette, die Kugeln von einem halben bis einem Pfund verschossen. Ihr einziger Zweck war, Menschen oder Pferde zu töten. Um nennenswerten Sachschaden anzurichten, waren sie zu leicht. Gegen Massenziele hatten sie eine Reichweite von gut 1000 Metern. Wenn die Kugeln nach bis zu 800 Metern auf festen Boden auftrafen, prallten sie ab und flogen in flachen Bögen weiter. Eine einzelne Kugel konnte in einem dichten Haufen zehn und mehr Männer hintereinander auf die schrecklichste Weise zerfetzen.
Die sogenannten Schlangen hatten bronzene Rohre. Mit ihnen konnten auch Fahrzeuge, Verschanzungen und Gebäude zerschossen werden. Auf kurze Entfernungen verwendete man gegen lebendige Ziele Hagelmunition, eine Art riesige Schrotladung. Die Bauern verfügten in den großen Schlachten über eine ebenbürtige, teils sogar überlegene Artillerie dieser Art.
Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass die militärischen Voraussetzungen aufseiten der Bauern nicht so rudimentär waren wie häufig angenommen. Warum scheiterten sie dennoch auf dem Schlachtfeld? Darum geht es im zweiten Teil der Miniserie zum „Krieg im Bauernkrieg“ in der kommenden Ausgabe.
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