Briefe stellten in der Frühen Neuzeit nicht nur die wichtigste Kommunikationsform dar, sondern waren auch zentraler Bestandteil der galanten Kultur, also des gesellschaftlichen Umgangs an den europäischen Höfen des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts, der auf Adel und gebildete Kreise ausstrahlte. Seit dem 16. Jahrhundert wurden in Italien und Frankreich Briefsammlungen ausgewählter Autorinnen und Autoren publiziert und in den mondänen Zirkeln gelesen. Auch unveröffentlichte Briefe las man in den Salons häufig gemeinsam und diskutierte darüber.
Die stilistischen und rhetorischen Anforderungen an einen gelungenen Brief sowie die Wahl angemessener Sujets unterlagen dabei einer strengen Etikette. Zahlreiche Handbücher, sogenannte manuels épistolaires, führten daher, aufbauend auf antiken und zeitgenössischen Modellen, in die Kunst des Briefeschreibens ein. Das Erlernen dieser Kommunikationsregeln stellte eine der wichtigsten Säulen der Sozialisierung eines jungen Menschen dar und fungierte als Schlüssel zur höfischen Welt.





