Leider wachsen sie nicht wieder nach – doch wenn Körperteile durch Unfall oder Krankheit verloren gegangen sind, gibt es zumindest Ersatzmöglichkeiten. Die heutige Prothetik blickt dabei bereits auf einer langen Geschichte zurück: Nachbildungen von Körperteilen sind schon aus der Antike bekannt und auch im Mittelalter sowie der frühen Neuzeit kamen sie nachweislich in verschiedenen Formen zum Einsatz. Ein berühmter Fall ist dabei die „Eiserne Hand“ des Ritters Götz von Berlichingen. Der Überlieferung zufolge trug er eine metallische Prothese, nachdem er seine rechte Hand bei der Belagerung von Landshut durch einen Kanonenschuss verloren hatte.
Die Eisenhand von Freising
Jahrhundertealte Überreste oder Funde solcher Prothesen sind allerdings selten. Aus diesem Grund sorgt nun die aktuelle Entdeckung im oberbayerischen Freising für Begeisterung bei den Archäologen. Wie das Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) berichtet, kam bei Leitungsarbeiten nahe der Freisinger Stadtpfarrkirche St. Georg ein altes Grab zum Vorschein.

Das herbeigerufene Archäologen-Team stieß darin auf das Skelett eines Mannes, der seinen Knochenmerkmalen zufolge im Alter zwischen 30 und 50 Jahren gestorben war. Aus einer späteren Radiokarbondatierung ging hervor, dass er im Spätmittelalter oder der beginnenden Neuzeit gelebt haben könnte. Die früheste Zeiteingrenzung reicht dabei in die Mitte des 15. Jahrhunderts.
Das Besondere an diesem Fund zeichnete sich dann am Ende des linken Armknochens des Skeletts ab: Statt der Handknochen lag dort ein korrodierter Klumpen, der die Neugierde des Archäologen-Teams erregte. Nach der Bergung und Dokumentation wurde dieses Stück deshalb in den Restaurierungswerkstätten des BLfD grob gereinigt und anschließend geröntgt. Dabei zeichneten sich dann die verborgenen Strukturen in dem Klumpen ab. Die Reste der linken Hand stecken demnach in einer ausgefeilten Konstruktion aus Eisen und Buntmetall: in einer Handprothese.
Nachgebildete Finger
Die genaueren Untersuchungen ergaben dann: Es handelte sich um hohle Gebilde, die vier Finger ergänzten: Zeige-, Mittel-, Ring- und Kleinfinger waren einzeln aus Blech geformt worden. Diese Nachbildungen liegen leicht gekrümmt parallel nebeneinander. Der Daumen der Hand war dem Mann offenbar noch erhalten geblieben, berichten die Archäologen: Sie fanden diesen Knochen an der Innenseite der Prothese festkorrodiert.





