Im Sommer 1495 brach König Johann I. von Dänemark und Norwegen zu einer besonderen Mission nach Schweden auf: Er wollte den schwedischen Regierungsrat davon überzeugen, ihm die Krone von Schweden zu überlassen und so einen Krieg vermeiden. Um seine Gegenüber zu beeindrucken, unternahm der dänische König die Reise mit großem Gefolge auf seinem Flaggschiff Gribshunden. “Die Gribshunden war die schwimmende Burg des Königs”, erklären Brendan Foley von der Universität Lund in Schweden und seine Kollegen. Historische Aufzeichnungen belegen, dass der König sein um 1485 akquiriertes Flaggschiff intensiv nutzte – auch als Demonstration seiner Macht und seines Reichtums. Denn zur damaligen Zeit waren Schiffe wie die Gribshunden in Nordeuropa noch selten und teuer: Der Bau und die Ausstattung des rund 35 Meter langen königlichen Flaggschiffs könnten acht Prozent des damaligen dänischen Budgets verschlungen haben.
Doch die königliche Reise im Sommer 1495 endete anders als geplant: Bei einem Zwischenstopp mit Landgang des Hofstaats kam es zu einer Explosion an Bord und die vor einer Insel vor Anker liegende Gribshunden sank vor der Südküste Schwedens. Heute liegen die Überreste des mittelalterlichen Flaggschiffs in nur zehn Meter Tiefe auf dem Grund der Ostsee. In den letzten Jahren haben Unterwasserarchäologen das gut erhaltene Wrack intensiv untersucht und zahlreiche Funde an die Oberfläche gebracht, darunter sogar Reste von Gewürzen und Vorräten der Schiffsköche sowie eine Waffentruhe der Seeleute.

Wie waren die frühen Karacken bewaffnet?
Darüber hinaus hat das Wrack der Gribshunden aber auch für die Geschichte der Seefahrt eine herausragende Bedeutung: Es gilt als das am besten erhaltene Schiff aus dem Zeitalter der Entdeckungen und als vollständigstes Wrack einer mittelalterlichen Karacke. Dabei handelte es sich um dreimastige Segelschiffe mit turmartigen Aufbauten am Bug und Heck, die sich aus den kleineren Karavellen entwickelten. Beide Schiffstypen wurden bei den Seefahrten im Zeitalter der Entdeckungen genutzt – auch Vasco da Gama und Christoph Kolumbus stachen damals mit solchen Schiffen in See. “Auch wenn die Gribshunden selbst weder den Atlantik überquerte noch entlang der afrikanischen Küste segelte, ähnelte sie in vielem den mit Artillerie ausgestatteten Expeditionsschiffen, die diese Routen befuhren”, schreiben Foley und seine Kollegen.
Damit bietet das Wrack dieses Schiffs auch eine einzigartige Chance, die Bewaffnung und im speziellen die Schiffsartillerie dieser Karavellen genauer zu erforschen. Denn bisher war nur wenig darüber bekannt, welche Ausrüstung die Karavellen im 15. Jahrhundert besaßen. “Die Archäologie bietet nur wenige Einblicke in die Entwicklung der Schiffsartillerie während des Zeitalters der Entdeckungen”, erklären die Forscher. Umfangreichere Funde gibt es erst aus dem 16. Und 17.Jahrhundert. Deshalb haben Foley und sein Team nun bei mehreren Tauchgängen zum Wrack der Gribshunden nach Überresten ihrer Bewaffnung gesucht. Historischen Aufzeichnungen zufolge könnte die königliche Karacke zwischen 68 und knapp 100 Kanonen besessen haben. Allerdings wurden einige davon schon kurz nach dem Versinken der Gribshunden geborgen, andere verschwanden im Lauf der Jahrhunderte.





