Bei dem Fundort handelt es sich um eine einstige kleine Bauernsiedlung in Mittel-Norwegen, die sich abseits der Küste im Landesinneren befand. Irgendwann vor etwa 1000 Jahren schütteten die Bewohner hier ihren Brunnen mit Unrat zu – vermutlich weil er ausgetrocknet war oder sein Wasser verunreinigt. Dies wurde zum Glücksfall für ein Archäologenteam der Norwegian University of Science and Technology in Trondheim: Bei Ausgrabungen förderten sie neben anderen Funden aus der Wikingerzeit ein geschnitztes Holzstück mit markanter Gestalt zutage, das den Datierungen zufolge aus dem Jahr 1153 n. Chr. stammt.
Das Spielzeug eines Wikingerkindes
Wie sie berichten, besitzt es die Form eines Wikingerschiffs mit dem typisch geschwungenen Bug. In der Mitte befindet sich ein Loch, in dem vermutlich der Mast mit einem Segel saß. Die Archäologen gehen davon aus, dass es sich um ein Kinderspielzeug gehandelt hat. Ähnlich wie heute Kinder gern mit kleinen Modellen von Autos oder Flugzeugen spielen, besaßen vermutlich auch die Kinder der Wikinger ein spielerisches Interesse an den eindrucksvollen Konstruktionen ihrer Kultur.
Bei der Schiffsbautechnik der Nordmänner handelte es sich eindeutig um eine der herausragendsten Technologien des Mittelalters, betonen die Wissenschaftler. Die hochseetauglichen Boote trugen die Skandinavier bekanntlich in weite Ferne: Sie plünderten, eroberten und besiedelten Gebiete in ganz Europa und darüber hinaus. Die Schiffsbautechnik der Wikinger war somit zweifellos ein Faktor, der die Weltgeschichte veränderte.
Zeit für Kinder im mittelalterlichen Norwegen
Den Wissenschaftlern zufolge belegt der Fund zudem, dass auch bei den Bauern des Binnenlandes von Norwegen das Wikinger-Schiff ein wichtiges Symbol war. Außerdem scheinen die Kinder hier auch Zeit zum Spielen gehabt zu haben und man fertigte ihnen vergleichsweise aufwändiges Spielzeug. „Wer auch immer das gemacht hat, hat sich Mühe gegeben, es wie ein echtes Boot aussehen zu lassen”, sagt Ulf Fransson vom Museum der Norwegian University of Science and Technology. „So ein tolles Spielzeug-Schiff hat damals bestimmt für Begeisterung gesorgt, so wie wir sie auch heute noch von Kindern kennen”, sagt der Archäologe.
Ihm zufolge vermittelt der Fund dadurch einen Eindruck vom Leben der einfachen Menschen des mittelalterlichen Norwegen. Obwohl es sich bei diesen Bauern sicherlich nicht um besonders wohlhabende Menschen gehandelt hat, war offenbar dennoch Zeit für etwas Kultur und Muße: „Kinder mussten nicht dauernd arbeiten, sondern durften auch spielen und jemand schnitzte ihnen Spielzeuge”, so Fransson.





