Geheime Bestattung
Der vor gut 500 Jahren lebende Sultan Suleiman I. gilt als einer der bedeutendsten Herrscher des osmanischen Reichs. Während seiner 46 Jahre dauernden Herrschaft führte er mehrere erfolgreiche Feldzüge, reformierte die Gesetzgebung im Reich und ließ zahlreiche prächtige Gebäude, darunter viele noch heute stehende Moscheen, errichten. Seinen Tod fand Suleiman der Prächtige im Jahr 1566, als seine Truppen die Festung der ungarischen Stadt Szigetvar belagerten. Die Türken errangen zwar den Sieg, doch ihr Sultan starb dabei.
Aus historischen Aufzeichnungen geht hervor, dass der Körper Suleimans I. zwar zurück nach Konstantinopel gebracht wurde, Herz und Eingeweide aber unter Geheimhaltung des genauen Orts irgendwo in Szigetvar bestattet wurden. Nach diesem Grab wurde bisher jedoch vergeblich gesucht, auch wenn heute sowohl eine Kirche als auch ein Park im Ort als potenzielle Grabstätten ausgewiesen sind. Seit 2013 haben Forscher der Universität von Pécs um Norbert Pap diese und weitere Orte in der Stadt näher untersucht – und konnten bereits sowohl die Kirche als auch den Park ausschließen.
Gebäudereste auf dem Weinberg
In der diesjährigen Grabungssaison stießen die Wissenschaftler nun in einem Weinberg, rund 1200 Meter von der Kirche des Ortes entfernt, auf vielversprechende Funde. “Wir haben Spuren von mehreren Gebäuden von erheblicher Größe entdeckt”, berichten Pap und seine Kollegen. “Alle Gebäude waren nach Südosten ausgerichtet, eines sogar fast exakt gen Mekka.” An der Oberfläche wurden zudem Ziegelstein-Fragmente und Fliesen aus der osmanischen Zeit entdeckt.
Nach Ansicht der Forscher spricht einiges dafür, dass es sich hier um Turbék handelt – den während der Belagerung durch die Osmanen angelegten Ort, in dem Suleimans Überreste begraben worden sein sollen. “Die Anordnung der Gebäude entspricht den Bauwerken, die in einer Abbildung von Turbék aus dem Jahr 1664 zu sehen sind”, sagt Pap. Darunter sind eine kleine Moschee oder ein Mausoleum, ein Derwisch-Kloster, Militärbaracken und Reste der Schutzmauer.
Indizien für ein Mausoleum
“Die Überreste des Mausoleums haben wir im Oktober/November 2015 ausgegraben”, berichten die Forscher. Es handelt sich dabei um ein knapp acht mal acht Meter großes, rechteckiges Gebäude mit einem dreiteiligen Vorraum. Wie sich zeigte, gibt es keine Spuren von einem Minarett oder einer Gebetsnische, was dafür sprechen würde, dass dieses Gebäude keine Moschee, sondern ein Mausoleum war. Hinzu kommt: “Einige dekorative Elemente des Gebäudes, die bis heute erhalten blieben, zeigen Ähnlichkeit mit den Verzierungen im Grab von Suleiman in Istanbul”, sagt Pap.





